BAD HALL. Ein Herzinfarkt kommt immer plötzlich und unerwartet. So auch bei der bislang gesunden und aktiven Kunigunde Oswald. Nach der Versorgung im Krankenhaus trat sie im November ein Anschlussheilverfahren im Klinikum Bad Hall an. Die Reha aus Angst vor einer möglichen Corona-Infektion ...

zu verschieben, wäre für sie nicht in Frage gekommen. Auch Medizinerinnen und Mediziner raten dringend dazu, eine geplante Reha anzutreten – denn die Konsequenzen können andernfalls gravierend sein.

Regelmäßige mehrstündige Wanderungen durch ihre steirische Heimat hielten die ehemalige Betreiberin einer Buschenschank aktiv und fit. An die Folgen von fünf bis zehn Zigaretten täglich dachte sie nicht. „Es gab vorher keinerlei Anzeichen, der Herzinfarkt hat mich eiskalt erwischt“, sagt die 60-Jährige, die auch von großer Todesangst berichtet. Mit zwei eingesetzten Stents ging es ihr körperlich bald besser, das Rauchen gab sie auf – doch die Angst vor einem neuerlichen Infarkt und massive Schlafprobleme blieben. Im Klinikum Bad Hall erhielt sie daher neben medizinischen und therapeutischen Behandlungen auch psychologische Unterstützung.

Stationäre Reha bietet viele Vorteile
Die kardiologische Rehabilitation zielt sowohl auf die körperliche als auch auf die psychische Genesung ab. Das stationäre Rehabilitationsteam umfasst im Gegensatz zur ambulanten Physikalischen Medizin auch Berufsgruppen wie Pflege, Diätologie und Psychologie. „Ein traumatisches Ereignis wie ein Herzinfarkt hat häufig seelische Belastungen zur Folge. Die psychologische Therapie unterstützt bei Krankheits- und Stressbewältigung sowie Raucherentwöhnung. Außerdem werden oft noch nicht diagnostizierte Risikofaktoren wie Hypertonie, Adipositas oder Diabetes mellitus erfasst“, erklärt Primar Dr. Franz Gebetsberger, Abteilungsleiter Kardiologie und stellvertretender Ärztlicher Direktor am Klinikum Bad Hall. So können bei einem stationären Aufenthalt die Defizite mit einem abgestimmten und multimodalen Therapiekonzept behandelt werden. Zudem können sich Betroffene in der stationären Reha über mehrere Wochen durchgehend auf ihre gesundheitlichen Ziele konzentrieren.

Von den dicht gesetzten therapeutischen Maßnahmen hat auch Kunigunde Oswald profitiert. „Bereits nach nur einer Woche auf Reha ging es mir psychisch viel besser und auch körperlich mache ich große Fortschritte. Die Therapien bringen mich sehr schnell wieder auf die Beine“, zeigt sich die Steirerin zuversichtlich.

Defizite beim Heilungsverlauf vermeiden
Nach einem akuten Ereignis wie einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder einer Operation ist ein möglichst rascher Übergang von der Versorgung im Akutkrankenhaus zum Antritt einer Reha für den weiteren Heilungsverlauf entscheidend. „Aber auch bei chronischen Erkrankungen können merkbare oder unwiderrufliche Defizite eintreten, wenn eine notwendige Rehabilitation nicht durchgeführt wird“, appelliert Primar Dr. Gebetsberger an die Betroffenen, den Antritt einer stationären Reha nicht aufzuschieben.

Sicherheit hat oberste Priorität
Die ohnehin schon sehr strengen Standards des Klinikums wurden für die Dauer der Corona- Pandemie umfangreich erweitert und verschärft. Beispielsweise werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig vor Arbeitsbeginn auf Corona getestet, ebenso die Patientinnen und Patienten bei der Aufnahme sowie bei Auftreten von Symptomen. Die Abläufe wurden unter dem Aspekt der Sicherheit adaptiert, sodass die Patientinnen und Patienten die vollständigen medizinischen und therapeutischen Leistungen erhalten.

Auf die Reha in Corona-Zeiten hat sich Kunigunde Oswald mit Handarbeit und Lesestoff gut vorbereitet. „Die sozialen Kontakte fehlen natürlich, aber ich kann mich sehr gut beschäftigen und mich voll auf meine Gesundheit konzentrieren. Mein Ziel ist es, dass meine Kinder und meine Enkerl mich noch lange haben.“

Unten: Primar Dr. Franz Gebetsberger, Abteilungsleiter Kardiologie und stellvertretender Ärztlicher Direktor am Klinikum Bad Hall. Bildquelle: Klinikum Austria Gesundheitsgruppe.