STEYR. „Back mich endlich, meine Zeit kommt bald!“ mahnte mich mein Zimtstern. Es war natürlich kein richtiger Zimtstern der mit mir sprach, es war meine innere Zimtsternstimme. Und sie hatte ja recht. Eine besondere Jahreszeit nahte und schon in wenigen Wochen war sie wieder vorbei – die Weihnachtszeit ...

Und Zeit hatte ich ja nun wirklich, nicht der übliche Trubel und Stress wie die Jahre zuvor, endlich konnte ich mich einmal in Ruhe und Gelassenheit ans Werk machen. So ein Zimtstern braucht schließlich eine gewisse Vorbereitung, den zaubert man nicht so locker aus dem Hut. Zu gut war mir mein Erstlingswerk im Zimststernbacken noch in Erinnerung. Die klebrige Masse aus geschlagenem Eiweiss und Zucker, Nüssen und natürlich Zimt. Viel Zimt. Sie wollte sich einfach nicht aus der Schüssel nehmen lassen, trotze den Versuchen sie mit dem Nudelholz in eine schöne gleichmässig dicke Platte auswalken zu lassen. Egal wieviel Staubzucker ich auf Nudelholz und Backpapier streute, hartnäckig blieb sie daran kleben.

Stunden verbrachte meine Backmischung, wie im Rezept beschrieben, im Kühlschrank, wo sie sich dank der Unterkühlung zumindest einige Minuten lang in die Sternenform pressen ließ, doch kaum bei Raumtemperatur angekommen, verweigerte sie sich wieder jeder Formannahme. Nach unendlich vielen Stunden des Abmühens konnte ich dann endlich ein Backblech voll mit mehr oder weniger sternförmigen Klecksen ins Backrohr schieben , welche nach der vorgeschriebenen 20minütigen Backzeit gut durchgebacken den Weg in eine Keksdose fanden. Leider erreichten sie trotz Beigabe eines Apfels nie eine geschmeidige Bissfestigkeit und auch der letzte Zimtstern konnte nur durch minutenlanges Eintunken in ein Glas Rotwein wirklich zahntechnisch gefahrlos verspeist werden.

Dennoch, Aufgeben ist nicht meine Natur. Ich liebe nun einmal den nussig-zimtigen Geschmack dieses Gebäcks mit der süssen weißen Zuckerglasur. Sie gehören einfach zur Weihnachtszeit. „Also worauf wartest Du“ forderte mich meine Zimtsternstimme erneut auf. Heuer gelingt es dir besser. Alles was ich an Zutaten brauchte war bereits eingekauft. Ein Rezept fehlte noch, das vom Vorjahr kam nicht einmal mehr ansatzweise in Betracht. Denn eines stand für mich fest, es war eindeutig das Rezept gewesen , das meine so heiss geliebten Zimtsterne nicht gelingen ließ. Wie wäre es sonst zu erklären, dass mein Lieblingskonditor sie so perfekt anbieten kann?! Sicher nur mit der richtigen Rezeptur!

Ich startete also meine Rezeptsuche und wurde in der Unzahl der angebotenen Rezepte tatsächlich fündig. Gut vorbereitet ging ich ans Werk. Die Zeiteinteilung war perfekt abgestimmt, die Rezeptbeschreibung auch für Backanfänger gut verständlich und sorgar bildlich dargestellt, sodass ich mich gut gerüstet und hoch motiviert ans Werk machen konnte. Im Geiste sah ich sie schon vor mir liegen die herrlich duftenden Sterne mit der schneeweißen Glasur und spürten ihren zimtigen Geschmack bereits auf meiner Zunge. Die ersten Ausstechversuche landeten schon nach kurzer Zeit am Backblech und bald zierte auch die typisch weiße Zuckerschneemasse Stern für Stern. Rasch ab damit ins vorgeheizte Backrohr. Schon nach wenigen Minuten verbreitete sich der betörende Duft nach Gebackenem. Noch 10 Minuten, mehr Backzeit durfte ich meinen Sternen diesmal nicht gönnen, und ich konnte sie in Empfang nehmen ...

Dann endlich lagen sie vor mir. Ein sanfter Fingerdruck zeigte die richtige Konsistenz des Backwerkes an. Sie waren perfekt gelungen, fand ich. Doch. Wirklich. Also gut, der Eiweißzuckerguss war nicht ganz so weiss wie er sein sollte, eher leicht, aber wirklich nur ganz leicht bräunlich. Die Zacken der Sterne waren nicht ganz so gleichmäßig und der eine oder andere fehlte gänzlich, das tat doch so einem Stern schließlich nicht wirklich einen Abbruch, sie waren eindeutig besser und schöner als die vom Vorjahr.

Woran es genau lag, dass die Zimtsterne ihre Weichheit verloren, je länger sie abkühlten, weiss ich wirklich nicht. Sie werden sich wohl wieder durch das eine oder andere Glas Rotwein erweichen lassen müssen. Aber so leicht gebe ich nicht auf und ich nehme die Herausforderung meines Zimtsternes, ihn zu backen, wieder an ... Vielleicht schon in ein paar Tagen, aber ganz ganz sicher wieder nächstes Jahr zur Weihnachtszeit!

von marion.mondsee