STEYR. Die Vorweihnachtszeit begann wie auch die Jahre davor schon immer früher. Egal wo man hinsah, schon viele Wochen vor den Weihnachtsfeiertagen blühte die Weihnachtsdekoration, lauschte man der ununterbrochenen Beschallung der Weihnachtslieder aus dem Radio ...

und den Lautsprechern auf öffentlichen Straßen und Einkaufszentren und ließ die intensive Werbung für Weihnachtsgeschenke über sich ergehen. Weihnachtsmärkte öffneten bald genug um möglichst lange Punsch und Glühwein anbieten zu können. Nicht zu vergessen die Bratwürstel mit Sauerkraut und Bier, die Gulaschsuppe im herzhaften Brotlaiberl oder die zwiebel- und currygarnierte Bosna und viele andere heimische und nicht heimische Speisen, die viel besser in der herbstlichen Kälte, zwischen den rauchenden Öfen der Maronibrater oder dem Fettgeruch der Grillstände und dem allgegenwärtigen Duft der gerösteten Mandeln schmecken!

Geradezu magisch wurden die Menschenmassen angezogen um sich zwischen den Holzbuden durchschieben zu lassen. Das Warenangebot der Weihnachtsmärkte war vielfältig. Hier fand sich alles zwischen Kitsch und Kunst, vom traditionellen Handwerk bis zur industriell gefertigten Ware. Wer handgestrickte Socken und gefilzte Hüte suchte, fand diese ebenso wie den indischen Billigschal. Und so mancher Standbesitzer hat nur auf dieses Weihnachtsgeschäft hingearbeitet und hier sein Jahresgeschäft gemacht.

Doch heuer ist es ruhig. Ein Virus hält die Menschen in Schach. Viele Maßnahmen zur weiteren Verbreitung der Erkrankung zwingen uns, die gesellschaftlichen Kontakte einzuschränken oder im schlimmsten Fall völlig zu unterlassen. Und das spürt man auch jetzt in den Wochen vor Weihnachten. Es herrscht keine hektische Einkaufssituation, der Aufenthalt in Kaufhäusern und Einkaufszentrum wird auf das Notwendigste reduziert. Gast- und Kaffeehäuser haben geschlossen oder haben ihren Betrieb auf Abholservice umgestellt. Nicht die Einkaufswut beherrscht den Tagesablauf, sondern die Sorge um die Gesundheit. Der eigenen und die der anderen.

Die Weihnachtsmärkte werden heuer nicht abgehalten und die typische Stimmung und das Treiben rund um die holzgezimmerten Verkaufsstände bleibt aus. Die Weihnachtsbeschallung und Dauerwerbung ist heuer zwar nicht ganz ausgefallen, doch weit nicht so aufdringlich wie sonst. Wir halten Abstand zu unseren Mitmenschen, bewegen uns nicht mehr im dichten Menschengewirr.

Wir halten aber auch Abstand vom Überfluss der Konsumartikel, vom reichen Angebot der Unterhaltungsmöglichkeiten, vom lärmerfüllten Treiben der Nachtlokale. Selbst das sonst selbstverständlich gewordene Reisen ist nicht mehr uneingeschränkt möglich, denn nicht nur wir sind betroffen – die ganze Welt wird davon heimgesucht. Kein Weihnachten unter Palmen und bei 30 Grad im Schatten.

Aber nach langer Quarantäne und Ausgangsverbot, schätzt man nun wieder einen Spaziergang im Freien und den eigenen, wenn auch noch so kleinen Garten, in dem man sich noch frei bewegen kann. Heimischen Betriebe, Bauernmärkte und Nahversorger, innovative Bauern die wieder ab Hof verkaufen, können jetzt punkten.

Die Chance sich mit uns selbst oder unseren Familienangehörigen zu beschäftigten, die Ruhe und die Zeit zum eigenen Wohlbefinden zu nutzen war noch nie so groß wie jetzt. Denn es gibt vieles, das man trotz Herunterfahren der sozialen Kontakte unternehmen kann. Nicht für alle wird diese Zeit leicht werden, besonders nicht für die, die um ihre unternehmerische Existenz bangen müssen und für die Homeoffice keine Option ist. Die Weihnachtszeit bietet viele Möglichkeiten jetzt an seine Nächsten zu denken. Es sind nicht unbedingt die Geschenke, die jedes Jahr noch schnell und oftmals unüberlegt angeschafft werden, an die man denkt. Die Gesundheit und die der Familie, von Freunden und Bekannten ist jetzt wichtiger. Man auch mal an seine Nachbarn und unterstützt sie vielleicht beim Einkaufen und kommt damit dem Weihnachtsinn und der eigentlichen Bedeutung der Weihnachtszeit viel näher, als in den Jahren davor.

Und nächstes Jahr?
Wenn wir wieder beim weihnachtlichen Punschstanderl stehen, da blicken wir vielleicht auf diese Weihnachtszeit zurück, in der alles anders war und der eine oder andere wünscht sich vielleicht etwas von dieser Ruhe und Besinnlichkeit zurück.

Das Virus aber ist hoffentlich bis dahin Geschichte!

Von marion.mondsee