LESERBRIEF. Zügig schreitet der Bau des Taborknotens voran. Dass die Alpine absauft, wußte nur eine kleine Facebookgruppe, aber gut, man kann nicht alles wissen, daher kam die unbeabsichtigte Pause für alle Beteiligten ziemlich überraschend. Die Habau werkt aber gut, und schon bald kann man den 2. Bauabschnitt befahren. Kann man? ...

 

Laut eines Berichtes in den Nachrichten kann man nicht. Wozu auch. Die Umleitungen funktionieren "supergigatoll", wozu also die Autofahrer mit neuen Spielen verwirren, die sollen lieber über die Posthofstraße herumrollen, die Bewohner, denen man großzügig eine verkehrsarme Sackgasse versprochen hat, sind ganz begeistert darüber.

Nicht weniger die Bewohner der Steinerstrasse, durch die sich ein Blechwurm wälzt. Wann hat man doch in dieser sonst auch nicht gerade verkehrsarmen Straße Zeit, sich über Schwerverkehr zu wundern, der dort herumirrt, obwohl umgeleitet? Umleitungsschilder auf Deutsch sind oftmals für nicht Deutsch sprechende Kapitäne der Landstraße schlecht zu lesen. Oder gar nicht. Mehr könne man nicht tun, als Schilder aufzustellen. Heißt es. Schilder für Schildbürger?

Der neue Knoten wird eine Wucht. Nicht nur, dass man großzügig Grund erworben und adaptiert hat, nein, im Gegenzug weist der Prachtknoten anmutige neue, begrünte Inseln auf. Schön geschwungen, wirklich ein Augenschmaus. Eine Harmonie aus Inseln und Ampeln, etwas bitter im Abgang. Der Ampelhersteller hat Spaß an den Ampeln, würde er sie sonst aufhängen, obwohl sie gar nicht benützt werden?

„Gute Umweltverträglichkeit durch Abrücken der Verkehrswege von der dichten Bebauung (Wohnblöcke Tabor)“, heißt es in der Projektbeschreibung, und um bis zu 10 Meter. In 10 m Entfernung vermindert sich die Lärmbelästigung maximal um gigantische 3 Dezibel, nach einer anderen Berechnung um glaubwürdigere 0,08 db, und die 10 m werden meines Wissens nur an 2 Punkten erreicht. Die Experten werden‘ s schon wissen. Oder auch nicht. Böse Zungen behaupten, man wäre schon Experte für alles Mögliche, wenn man ein paar Mal irgend einen Nonsens irgendwo publiziert hat.

Ein wenig krank sind die Ausfahrten. Was ich seit 2 Jahren predige, wird der Bevölkerung jetzt langsam bewusst. Der Prachtknoten enthält drei würzige Nadelöhre, jeweils bei der Ausfahrt. Kühn formuliert bedeutet das wohl, dass man den Verkehr eigentlich bremsen statt beschleunigen will. Gute Idee von den Experten. Schnell rein, langsam raus. Langsam raus? Dann geht aber schnell rein auch nicht, weil die Ausfahrer die Einfahrer blockieren. Nichts Neues, aber nicht allen bekannt. Am wenigsten den Experten. Beispiel Fass mit Auslauf. Ist der Auslauf gleich groß wie der Zulauf, geht das Fass nicht über. Verdoppelt sich der Zulauf bei gleichem Auslauf, geht das Fass über. Die Experten kennen sicher eine Formel dafür, wenigstens jene, die sich mit Fässern beschäftigen. Im Straßenbau beschäftigen sich allerdings keine Experten mit Fässern. Gut für die Fässer, schlecht für die Straßen.

Die Experten, jaja. Mitdenken der Bevölkerung ist unerwünscht, bei Experten und in der Politik sowieso. Experten und Schildbürger. Der Idealzustand.


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