STEYR. Fast jeder Mensch kennt Schwindelgefühle, die einen dann und wann überfallen. Zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung lebt aber mit wiederkehrenden Schwindelsymptomen, die im Alltag als belastend und irritierend ...

erlebt werden. Plötzlich schwankt der Boden. Das Gefühl, dass sich in einem selbst oder auch in der Umgebung etwas dreht oder bewegt, wird übermächtig. Schwindel – lateinisch auch „Vertigo“ genannt – entsteht, wenn die räumliche Orientierung des Körpers gestört ist. Meist sind diese irritierenden Schwindelgefühle harmlos. Dauern sie jedoch an oder treten vermehrt auf, sollten die Beschwerden auf jeden Fall medizinisch abgeklärt werden.

„Schwindel an sich ist keine Krankheit“, betont Prim. Dr. Eva Laich, Leiterin der Neurologie am LKH Steyr. Scheinbewegungen, schwankende Böden oder unangenehme Soggefühle sind nur einige der vielfältigen Ausprägungen des Vertigos. Ungewöhnliche Außenreize, etwa ungewohnte Höhen, eine falsch eingestellte Brille oder auch einfach ein zu niedriger Blutdruck können diese Gefühle auslösen. Dennoch rät die Expertin Betroffenen, plötzlich auftretenden, anhaltenden sowie wiederkehrenden Schwindel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: Schwindel kann auch ein Hinweis auf eine Vielzahl, durchaus auch ernster Krankheiten sein. Gerade, wenn dem Schwindel eine Infektion voranging oder er von Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Ohrengeräuschen begleitet wird, ist unbedingt ärztlicher Rat einzuholen.“

Komplexes Phänomen – genaue Anamnese entscheidet
Eine genaue Beschreibung des erlebten Schwindelgefühls ist aufgrund der vielfältigen Ausprägungen und Ursachen wesentlich. Schwindel ist nicht gleich Schwindel – für eine exakte Diagnose benötigen die Expert/-innen Informationen über die Dauer der Gleichgewichtsstörungen, die Art und Weise sowie die Situationen, in denen sie auftreten. Generell wird zwischen systematischen Schwindel, der an ein Organ gekoppelt ist und dem unsystematischen Schwindel unterschieden. Ersterer wird von den Patient/-innen durch schwankende Bewegungen, eine sich drehende Umgebung oder dem Gefühl in einem Aufzug zu stehen wahrgenommen. Beim unorganischen Schwindel treten Symptome wie Raum- und Gangunsicherheit sowie sekundenlange Schwindelgefühle auf.

„Die möglichen, den Schwindel auslösenden, Krankheitsbilder sind zumeist sehr vielfältig“, sagt die neurologische Leiterin des LKH Steyr, „sie reichen von Erkrankungen des Innenohrs, die in der Folge das Gleichgewicht stören, über Durchblutungsstörungen, Gefäßverkalkungen im Gehirn, Nervenentzündungen, Tumore, Herz-Kreislauferkrankungen bis hin zu psychischen Problemen. Mitunter kann eine Schwindelattacke auch ein Erstsymptom eines Schlaganfalles, Herzinfarkts oder eines akuten Schubes bei Multiple Sklerose sein.“

Rasche und effiziente Abklärung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit
Dieser großen Bandbreite an ursächlichen Krankheiten begegnet man im LKH Steyr mit einem eigenen Gefäßboard. Radiolog/-innen, Chirurg/-innen und Neurolog/-innen arbeiten eng und fachübergreifend zusammen, um den Patient/-innen eine umfassende, individuelle und vor allem rasche Diagnose und Therapie zu ermöglichen. Zusätzlich besteht seit Jahren enge Zusammenarbeit mit der neurologischen neuroradiologischen und neurochirurgischen Abteilung des Neuromed Campus der Johannes Kepleruniversität Linz. Dringliche diagnostische und therapeutische Entscheidungen (z.B. akute Gefäßintervention) können mittels teleradiologischer Bildübermittlung unmittelbar und vor Ort in Absprache mit Ärzten der Spezialklinik getroffen werden.

 

Foto: Prim. Dr. Eva Laich