BAD HALL. Rutschiges Laub, herumliegendes Gartenwerkzeug oder unpassendes Schuhwerk: Eine kleine Unaufmerksamkeit reicht und schon ist ein Sturz passiert. Nicht nur bei der herbstlichen Gartenarbeit lauern Gefahren, Stolperfallen gibt es viele ...

Besonders für ältere Personen markiert ein Knochenbruch oft den Beginn der Pflegebedürftigkeit. Wie sich Stürze vermeiden lassen, weiß Ulrike Schubert, MSc, Pflegedirektorin im Klinikum Bad Hall.

Rund 50 Prozent der Stürze älterer Personen gehen mit Knochenbrüchen einher, zusätzlich treten Verletzungen und offene Wunden auf. Aber auch Prellungen und Verstauchungen können sehr lange schmerzhaft sein. „Was im Alter oft hinzukommt, ist die Furcht vor einem weiteren Sturz. Doch damit entsteht ein Teufelskreis, denn aus Angst wollen sich Betroffene möglichst wenig bewegen und vermeiden Alltagsaktivitäten. Aber genau das ist falsch, denn mangelnde Bewegung beschleunigt den Abbau der Beinmuskulatur und des Koordinationsvermögens. Durch diese Einschränkungen verschlechtert sich auch die persönliche Lebensqualität. Häufig ist ein Sturz der Grund für eine Einweisung in eine Pflegeeinrichtung“, erklärt Ulrike Schubert, MSc, Pflegedirektorin am Klinikum Bad Hall.

Stürze haben viele Ursachen
Mit dem Lebensalter verändert sich die Knochensubstanz, sie wird brüchiger und der verletzte Knochen braucht länger zum Heilen. Durch verminderte Bewegung geht die Kraft verloren und die Gelenkssteifigkeit nimmt zu. Außerdem verringern sich Hör- und Sehvermögen im Alter, die Nerven leiten Impulse langsamer an das Gehirn weiter und nicht selten führt zu schnelles Aufstehen zu Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Aber auch eine fremde Umgebung oder nicht richtig eingestellte Hilfsmittel wie Gehstock oder Stützkrücke sind Risikofaktoren.

Medikamente und Krankheiten als Risiken
Einige Medikamente können das Reaktionsvermögen beeinträchtigen, da sie Schwindel und Müdigkeit hervorrufen, dazu gehören vor allem Blutdruckpräparate, Epilepsie- und Schmerzmittel. „Auch die Wechselwirkungen verschiedener Arzneien können bewirken, dass ältere Personen leichter stürzen“, betont die Expertin. Lähmungen nach einem Schlaganfall, Arthrose in Hüft- oder Kniegelenken sowie Erkrankungen des Nervensystems beeinträchtigen die Geh- und Bewegungsfähigkeit ebenfalls. Besonders Patentinnen und Patienten mit Morbus Parkinson berichten häufig über Angst vor dem Treppensteigen.

Gezielte Sturzprävention mit Bewegung
Im Klinikum Bad Hall werden Patientinnen und Patienten während ihrer Rehabilitation darin geschult, wie Stürze vermieden werden können. Neben Maßnahmen im Wohnbereich und im Freien sind regelmäßige Bewegung, gezieltes Krafttraining und Koordinationsübungen besonders wichtig. Dabei werden die Knochen gestärkt und die Koordination trainiert. Ulrike Schubert empfiehlt: „Für ältere Menschen sind Ausdauersportarten wie Nordic Walking oder Schwimmen ideal. Tanzen schult die Koordination, hält fit und bereitet vielen Seniorinnen und Senioren Freude.“

Tipps: So vermeiden Sie Stürze

  • Immer festes Schuhwerk mit rutschsicheren Sohlen und niedrigen Absätzen tragen.
  • Vorhandene Hilfsmittel wie Brille, Hörgerät, Rollator oder Stöcke verwenden.
  • Stolperfallen wie dicke Fußmatten, rutschige Teppiche, am Boden liegende Kabel oder fehlerhafte Bodenbeläge entfernen.
  • Türschwellen vermeiden oder farblich markieren.
  • Auf gute Beleuchtung achten, auch ein Nachtlicht bringt viele Vorteile.
  • Ein Handlauf im Stiegenhaus, in der Dusche und der Toilette unterstützen beim Treppensteigen beziehungsweise Aufstehen.
  • Zur Körperpflege eine rutschfeste Unterlage oder einen Hocker verwenden.
  • Ein höheres Bett erleichtert Aufstehen und Hinlegen.
  • Bei der Gartenarbeit Leitern und Gerüste regelmäßig auf ihre Funktionstüchtigkeit prüfen.
  • Gartengeräte und Handwerkszeug gut gesichert und leicht erreichbar aufbewahren.
  • Im Winter Einkäufe auf den Nachmittag verschieben, wenn die Sonne das Glatteis geschmolzen hat.
  • Medikamente so einnehmen, wie sie von der Ärztin/vom Arzt verordnet wurden.
  • Besonders bei Schwindel auf die eigene Sicherheit achten und gegebenenfalls die Ärztin/den Arzt kontaktieren.