STEYR. Heben und Tragen gehört zu den natürlichen Bewegungsfunktionen, die am häufigsten Probleme verursachen. Die damit verbundenen Beschwerden – vor allem im Bereich der Wirbelsäule – sind die am meisten behandelten Krankheitsbilder in unserer Praxis. Bandscheibenvorfall, Hexenschuss ...

und Ischias – um nur einige zu nennen – führen häufig zur Arbeitsunfähigkeit und bedeuten in der Regel auch eine massive Einschränkung der Lebensqualität im Alltag und in der Freizeit.

Die Ursache ist in den meisten Fällen ein Bewegungsdefizit und der damit verbundene Stabilitätsverlust in der Körpermitte, was zu Veränderungen des natürlichen Hebemusters führt. Speziell beim Heben ist die Bewegungseinleitung – der sogenannte Hip Hinge – der Schlüssel zum Erfolg. Der Hip Hinge bezeichnet das nach hinten schieben des Beckens bei gleichzeitig stabilem Oberkörper. Dadurch springt die Rumpfmuskulatur sofort an, und eure Wirbelsäule ist geschützt.

Wenn diese Bewegungseinleitung stimmt könnt ihr ohne Gefahr mehr aus den Knien heben – was sich eher für schwere Lasten anbietet. Oder ihr hebt mehr aus der Hüfte, was mehr für leichte bis mittlere Gewichte geeignet ist. Wichtig ist die Last nahe am Körper nach oben zu führen. Dadurch könnt ihr den Oberkörper besser gestreckt und in stabiler Position halten. Unser Übungsprogramm hilft euch, diese Bewegungseinleitung zu automatisieren.

Da ihr das Programm sukzessive steigern sollt, noch ein paar Kriterien für euer Training.Beginnt immer mit 3-5min. Bauchtamung, gefolgt von einer kurzen strukturellen Vorbereitung der hauptbeanspruchten Strukturen. Die Faszien- und Dehntechniken dazu kennt Ihr ja schon aus underer Serie "Bewegung wie geschmiert". Vernachlässigt diese Form des Aufwärmens auf keinen Fall.

Block 1 dient der Reprogrammierung der Bewegungsmuster und stellt somit die Voraussetzung für die Blöcke 2 und 3 dar. Erst wenn ihr alle Übungen des ersten Block mühelos 3x20 schafft, könnt ihr zum zweiten Block – der Basisstabilisation - übergehen. Hetzt bitte nicht durch das Programm und macht ausreichend Pausen nach jeder Serie, da die Übungsqualität sonst darunter leidet. Zur Funktionsschulung und Kräftigung im 3. Block steigert ihr erst wenn ihr Übungsblock 2 problemlos beherrscht. Für alle Übungsblöcke gilt: Langsam die Wiederholungszahl steigern, bevor ihr mit Zusatzgewichten arbeitet. Ob ihr für die nächste Stufe bereit seid, könnt ihr immer an der kontrollierten Bauchatmung ablesen. Ist diese Atmung nicht mehr möglich, ist die Belastung zu intensiv.

Das Internet ist voll von Übungsempfehlungen und Zauberprogrammen, die die wundersame Heilung von Wirbelsäulenbeschwerden versprechen. Dr. Google führt euch diesbezüglich allerdings leider auf den Holzweg. Solltet ihr bereits an Beschwerden leiden, Ist eine fundierte Diagnostik unumgänglich. Allfällige Schäden müssen unbedingt festgestellt werden, um eure individuelle Situation richtig einzuschätzen und euch Schritt für Schritt wieder an die normale natürliche Bewegung heranzuführen. Jede andere Herangehensweise führt langfristig zu noch mehr Problemen. Die Ursache von Beschwerden ist nämlich nicht immer im Schmerzgebiet zu finden und daher ist die Wirksamkeit vieler im World Wide Web herumgeisternder Übungen oft nur von kurzer Dauer. Auch wir gehen jetzt in den wohlverdienten Urlaub und sehen uns am 22. August hoffentlich wieder mit Übungstipps zum Thema "Gehen, Wandern, Laufen". BLEIBT'S G'SCHMEIDIG!