• BEZIRK: STEYR
Ein Teil des Museumsteams oben von links: Maria Ritzlmayr-Gosch betreut das Veranstaltungszentrum, Claudia Wimmer aus der Administration (seit 1986 im Museum tätig), Leona Vyhnálková, Praktikantin aus Tschechien, Bettina Ebner, die freundliche Stimme an der Kassa, Felix Fröschl, der Ausstellungen entwickelt und Gruppen begleitet, und Stephan Rosinger, der künstlerische Leiter. Foto © E-STEYR.COM.

STEYR. Das Museum Arbeitswelt in Steyr profiliert sich immer deutlicher als Anlaufstelle für junge Menschen. Mit dem Labour Lab, Österreichs erster Ausstellung eigens für Jugendliche, konnte das Haus deutliche Impulse setzen und eine neue Dynamik entfalten. Künstlerischer Leiter Stephan Rosinger spricht im Interview mit e-steyr über wachsenden Zuspruch, neue Besuchergruppen und ambitionierte Zukunftspläne.

 „Das Labour Lab hat eingeschlagen.“

Herr Rosinger, das Labour Lab läuft seit Monaten auf Hochtouren. Was tut sich?

Rosinger: „Sehr viel! Wir sind stolz darauf, dass wir mit dem Labour Lab die erste Ausstellung Österreichs geschaffen haben, die sich gezielt an Jugendliche richtet und ausschließlich in der Gruppe spielbar ist. Die Resonanz ist überwältigend: Seit der Eröffnung im Mai waren über 250 Gruppen mit beinahe 6000 Besucherinnen und Besucher im Labour Lab.“

Woran liegt dieser Erfolg?

Rosinger: „Ein wichtiges Element ist die Förderung der Arbeiterkammer Oberösterreich. Sie übernimmt für Schul- und Jugendgruppen aus ganz Oberösterreich die Anreisekosten. Das ermöglicht es Schulen aus allen Bezirken – von Mondsee, Bad Ischl über Schärding bis Freistadt – erstmals nach Steyr zu kommen. Gleichzeitig haben wir eine 100-prozentige Weiterempfehlungsquote von Lehrkräften und Betreuenden, weil sie von der Umsetzung wirklich begeistert sind und sehen, dass die Jugendlichen Spaß beim Lösen der der verschiedenen Levels haben. Das spricht für sich und wird auch weitererzählt.“

„Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche? Für uns war das logisch.“

Mit Jahresbeginn hat das Museum kostenlosen Eintritt für junge Besucher:innen eingeführt. Warum jetzt?

Rosinger: „Wir wollen Barrieren abbauen und das Haus stetig weiter öffnen. Bislang galt der freie Eintritt nur für Schulgruppen, Besitzer:innen der OÖ Familienkarte, Kinder unter sechs Jahren oder im Rahmen bestimmter Aktionen. Neu ist, dass Kinder und Jugendliche auch dann freien Eintritt haben, wenn sie freiwillig und privat kommen – mit ihren Eltern oder Freund:innen. Die Zahl der Betroffenen ist überschaubar, es geht um wenige Hundert Euro jährlich. Aber der Gewinn an Zugänglichkeit ist ein Vielfaches wert.“

Wie fällt das erste Feedback aus?

Rosinger: „Sehr positiv! Kinder erzählen uns bereits, dass sie sich aufgrund des freien Eintritts nun mit Freund:innen bei uns verabreden – besonders beliebt ist derzeit die Ausstellung Energiewende. Eltern sprechen mich oft an und sagen, dass sie das Angebot künftig nutzen. Genau so soll es sein.“

„Je mehr junge Menschen ins Museum kommen, desto besser.“

Sie wünschen sich mehr Besuche durch Schulen?

Rosinger: „Immer. Wir verstehen unsere Ausstellungen als erweiterten Lernraum und stehen im engen Austausch mit Lehrkräften. Aktuell betreuen wir um die 10.000 Schüler:innen im Jahr mit unseren Angeboten. Mit dem ‚Lernort Synagoge‘ kommt bald ein zusätzlicher Ort hinzu. Wir wünschen uns noch, dass Schulen unsere Ausstellungen vermehrt auch für Aufgaben oder Projekte nutzen. Der freie Eintritt soll genau das auch erleichtern.“

„Unsere Kinderkulturschiene wächst – und die Nachfrage ist groß.“

Ihr Kinderkulturprogramm erfreut sich großer Beliebtheit. Was steht als Nächstes an?

Rosinger: „Am 26. April besucht uns wieder die Biene Maja, passend zu unseren Bienenstöcken im Museum. Am 20. Mai folgt das Stück Dornröschen hat verschlafen – dafür haben sich bereits knapp 200 Kindergartenkinder angemeldet. Für die Volksschulvorstellung gibt es noch ein paar freie Plätze. Wir sehen: Das Angebot wird genutzt.“

„Zum 40-jährigen Jubiläum entsteht eine neue Hauptausstellung“

2027 feiert das Museum Arbeitswelt sein 40-jähriges Bestehen. Was ist geplant?

Rosinger: „Wir arbeiten an einer neuen, dauerhaften Hauptausstellung. Wichtig ist uns, dass es niederschwellige, spielerische Bereiche für Kinder und Familien gibt. Wir wollen verstärkt mit Reenactment arbeiten – also Räume von früher begehbar nachbauen. Das kommt bei allen Generationen unglaublich gut an, und daran knüpfen wir an.“

„30.000 Menschen pro Jahr zeigen uns: Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Zum Abschluss: Wie ordnen Sie die Entwicklungen ein?

Rosinger: „Wir betreuen pro Jahr rund 30.000 Besucher:innen und merken, wie sehr unser Profil als junges, offenes und progressives Museum wirkt. Auch innerhalb der Museumslandschaft – 2019 haben wir bereits die höchste Auszeichnung für Museen in Österreich erhalten. Unsere Mitarbeiter:innen bringen ihre Expertisen laufend auf Konferenzen und in anderen Fachgremien bundesweit ein. Die Vielseitigkeit des Museum Arbeitswelt, den Stollen der Erinnerung und bald auch den Lernort Synagoge mit diesem Team zu gestalten, macht richtig Freude. Und uns ist klar: Je zugänglicher, interaktiver und familienfreundlicher wir trotz unserer komplexen Inhalte werden, desto besser für Steyr – daran arbeiten wir täglich.“


Seit 2020 leiten Stephan Rosinger und Maria Vogeser-Kalt als künstlerische bzw. wirtschaftliche Leitung gemeinsam das Museum Arbeitswelt. Mit ihrem Team haben sie in den vergangenen Jahren zahlreiche große und kleine Ausstellungsformate nach Steyr geholt, das Haus infrastrukturell modernisiert und das Kultur- und Bildungsprogramm in den Veranstaltungsräumen weiter ausgebaut.

Das Museum Arbeitswelt zählt mit seinem besonderen Ambiente seit vielen Jahren zu den gefragten Veranstaltungslocations in der Region – für Tagungen, Firmenevents, Seminare ebenso wie für private Feiern.

Webtipp: www.museumarbeitswelt.at

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