• BEZIRK: SIERNING, OÖ
Fotos © Caritas

SIERNING / TRAUNSEE. Gemeinsam lachen, Herausforderungen meistern und dabei ungeahnte Stärken entdecken: Das erlebten diesen Sommer Menschen mit psychischen Erkrankungen aus Wohnhäusern der Caritas-Einrichtung invita in Gmunden, Ried, Sierning, Pfaffing und Ebensee sowie aus der mobilen Begleitung. Bei den Naturerlebnistagen „(in)vita lacus felix“ am Traunsee sammelten sie Erfahrungen, die ihr Selbstvertrauen stärkten – und bis heute nachwirken.

Schon die Anreise zum sogenannten „Weißen Steinbruch“ am Ostufer des Traunsees war ein Erlebnis für sich: Die Fahrt mit dem Schnellboot sorgte für Begeisterung, auch wenn manche anfangs noch Respekt hatten. Rasch wurde spürbar, was diese Tage prägen würde: starker Zusammenhalt. Immer wieder war von den Teilnehmer*innen der Satz zu hören: „Gemeinsam sind wir stark.“

„Unser Ziel ist es, dass die Menschen Erfahrungen machen, an die sie auch in schwierigen Alltagssituationen anknüpfen können. Wer hier erlebt, dass er Ängste überwindet und Herausforderungen meistert, gewinnt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – und nimmt dieses Gefühl mit nach Hause“, erklärt Caritas-Mitarbeiter Michael Pacher, der als ausgebildeter Naturerlebnispädagoge die Erlebnistage leitete.

Mut wächst mit jeder Herausforderung
Ob Feuer ohne moderne Hilfsmittel entzünden, Interaktionsspiele oder Aufgaben im Gelände – jede Übung forderte die Teilnehmer*innen auf ihre Weise heraus. Ein Teilnehmer zeigte der Gruppe mit seinem eigenen Outdoor-Equipment, wie sich Wasser aus dem Traunsee zu Trinkwasser aufbereiten lässt – und gewann damit sichtbar an Selbstvertrauen.

Auch Übungen mit verbundenen Augen verlangten Mut und Vertrauen. Ausschließlich durch Worte oder Berührungen ließen sich die Teilnehmerinnen sicher durch unwegsames Gelände führen. Ein besonderer Höhepunkt war der Rollentausch zwischen Betreuerinnen und betreuten Personen.

„Dieser Rollenwechsel war für viele ein Schlüsselmoment. Sie haben erlebt, dass sie nicht nur Unterstützung brauchen, sondern auch selbst Verantwortung übernehmen und anderen Sicherheit geben können. Das verändert den Blick auf die eigenen Fähigkeiten nachhaltig“, sagt Pacher.

Nach jeder Aufgabe wurde in der Gruppe reflektiert. Ein gemeinsamer Nenner: Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – und in die Gemeinschaft – war gewachsen.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mich das traue. Jetzt weiß ich, dass ich viel mehr schaffen kann, als ich geglaubt habe“, erzählt eine Teilnehmerin. Ein anderer ergänzt: „Am schönsten war, dass wir uns gegenseitig geholfen haben. Gemeinsam war plötzlich vieles einfacher.“

Erinnerungen, die im Alltag tragen
Die positiven Erfahrungen begleiten viele bis heute. In schwierigen Alltagssituationen erinnern die Betreuer*innen an gemeinsam gemeisterte Herausforderungen. Sätze wie „Weißt du noch, beim Lacus Felix hast du das geschafft. Versuch, dir dieses Gefühl wieder herzuholen“ geben neuen Mut. Daraus entstand ein Leitspruch, der bis heute nachwirkt: „Wenn ich das geschafft habe, schaffe ich das auch.“

„Wenn Teilnehmerinnen Wochen oder Monate später auf diese Erlebnisse zurückgreifen und daraus Kraft schöpfen, zeigt sich, wie nachhaltig diese Tage wirken. Aus einem besonderen Naturerlebnis wird neues Selbstvertrauen für den Alltag“*, so Pacher abschließend.

 

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