• BEZIRK: LINZ, OÖ
Oben: Qwen Stefani "Against Techfascism" befasst sich mit den zunehmend technoautoritären Infrastrukturen, die unseren Alltag prägen, und entwickelt ein zeitgemäßes Handbuch des Widerstands gegen die Techfaschismen algorithmischer Kontrolle. Foto © Lucie Marsmann

LINZ / OÖ. Schon immer haben ökologische, technologische und politische Umbrüche unser Welt- und Menschenbild herausgefordert. Kein Wunder also, dass die sich verschärfende Klimakrise, das Auftauchen von Chatbots, KI-Agenten und humanoiden Robotern sowie die aktuellen geopolitischen Schockwellen die nächste anthropologische Krise anstoßen.

Die Frage, was es bedeutet, Mensch zu sein, beziehungsweise wie und von wem dieses Menschsein verhandelt wird, scheint dringlicher denn je. „NEGOTIATING HUMANITY“ lautet deshalb das Motto der Ars Electronica 2026, die von 9. bis 13. September wieder in Linz, Österreich, stattfindet. Geboten wird ein umfassendes Programm an Ausstellungen, Performances, Screenings, Symposien, Talks, Workshops und Town Hall Meetings. Mit dem OK QUARTER, dem DANUBE TRIANGLE und dem MED CAMPUS werden drei Hubs in der Linzer Innenstadt sowie eine Reihe weiterer Veranstaltungslocations bespielt.

Im OK QUARTER: Ein FESTIVAL WALK durch acht Locations
Das OK QUARTER und hier der OK-Platz bilden das Zentrum der diesjährigen Ars Electronica. Hier befindet sich der Infopoint, an dem Tickets gekauft, Führungen gebucht sowie die diesjährigen Kataloge und T-Shirts erworben werden können. Auch kostenlose Maps und Tagesprogramme sind hier erhältlich.

Auf dem OK-Platz startet und endet der FESTIVAL WALK, das neue Format des diesjährigen Festivals. Im Rahmen dieses Spaziergangs erkunden die Besucher*innen – individuell oder geführt – künstlerische Positionen zum diesjährigen Festivalthema, die an acht Schauplätzen in unmittelbarer Nachbarschaft des OK-Platzes präsentiert werden. Besucht werden das Priesterseminar, die Priesterseminarkirche, der Elisabethinengarten, die Elisabethinen, das Francisco Carolinum, das BRG Fadingerstraße, das C. Bechstein Centrum Linz und die Katholische Privat-Universität Linz. Mit Ausnahme des Francisco Carolinum ist keiner dieser Orte ein Raum der Kunst, alle spiegeln jedoch mit ihrer Geschichte und Mission unterschiedliche Welt- und Menschenbilder sowie deren Aushandlung wider.

Negotiating the Real – The Desire to Believe
Das Thema des FESTIVAL WALK lautet Negotiating the Real – The Desire to Believe. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Wahrheit, Menschlichkeit und Gemeinschaft verhandelt werden, wie sie vorgestellt, simuliert und erfahren werden. Es geht um politische und institutionelle Macht, kollektive Narrative und kulturelle Erzählungen, um algorithmische Systeme und maschinelle Simulation sowie um sinnliche Erfahrung. Beleuchtet werden universelle Werte wie Würde, Freiheit und Gleichheit ebenso wie imperiale Machtansprüche, rassistische Weltbilder und eine koloniale Praxis, die zwischen zivilisiert und unzivilisiert, zwischen Mensch und Nicht-Mensch unterscheidet.

Im Verlauf des FESTIVAL WALK begegnen wir der Wirklichkeit nicht als etwas Konstantem, sondern als etwas Relationalem: einem Gewebe aus Ordnungen, Erzählungen und Erfahrungen, das immer wieder neue Form annimmt. Negotiating the Real – The Desire to Believe fragt danach, welche Fäden dieses Gewebe zusammenhalten, welche stärker und schwächer sind, welche sichtbar bleiben und welche unsichtbar sind – und welche neu geknüpft werden können. Kuratiert wurde die Ausstellung von Christl Baur und Elisabeth Falkensteiner.

„Wie lang schon nicht mehr, strebt die diesjährige Ausgabe der Ars Electronica in den urbanen Raum. In keinem anderen Format kommt das so klar zum Ausdruck wie im Rahmen des FESTIVAL WALKs. Wir laden zu einem Spaziergang, der zu acht Orten – darunter Kirchen, ein Krankenhaus, ein Museum und eine Schule – führt, an denen der Mensch im Zentrum steht. Wir zeigen Kunstwerke, die Geschichte, Mission und Funktion dieser Orte und Institutionen aufgreifen und auf zentrale Aspekte unseres aktuellen Welt- und Menschenbildes fokussieren.“, Gerfried Stocker, Künstlerischer Geschäftsführer von Ars Electronica.

Mehr Infos: https://ars.electronica.art/news/de/

Unten: Who is jumping, Jack? / Nathalie Kronberger (AT). Eine interaktive kinetische Installation verwandelt die Armbewegungen der Besucher*innen in mechanische Abläufe. Das Echtzeit-Tracking steuert servogetriebene Korkenzieher, erzeugt eine unmittelbare physische Reaktion und lädt dazu ein, über Wiederholung und die Frage nach Kontrolle nachzudenken.

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