Seit 10 – genau genommen 60 – Jahren: keine Westspange Steyr
LESERBRIEF. Eine mittlerweile zehnjährige Erfolgsgeschichte ist die sachliche Auseinandersetzung um die geplante Umfahrung im Westen von Steyr. Die Kritiker des Projekts haben in diesen Jahren sehr klare Begründungen geliefert, warum diese Straßenpiste durch das Stadtgebiet ihr „geoffenbartes“ Ziel einer wirklichen Entlastung verfehlt. Die eigenen Projektdaten der Betreiberlobby haben sich gerade beim Punkt der versprochenen Verkehrsminderung als völliges Eigentor erwiesen.
Kritik an Planung, Prognosen und Umweltauswirkungen
Nachdem die fachlich gut aufgestellten Kritiker mehrfach im Faktencheck klar aufgezeigt haben, dass die behaupteten Ziele weitgehend eine Mogelpackung sind, konnten sie darüber hinaus peinliche und wissenschaftlich fragwürdige Fehler in der Projektplanung nachweisen: Befahrene Straßen, die es gar nicht gibt, und horrende Verkehrsprognosen – etwa 34.000 Fahrzeuge bei der künftigen „Bauhauskreuzung“, also rund 50 % mehr als auf der A9 bei Klaus – sowie rund 25.000 zusätzlich prognostizierte Fahrzeuge in Steyr insgesamt, rechtfertigen eine massiv kritische Sichtweise auf diese Asphaltschneise durch den – unsere Lebensmittel liefernden – Grüngürtel.
Mehr oder weniger unter der Decke gehalten werden auch die Befürchtungen hinsichtlich des Trinkwasserschongebiets, über das ein gutes Stück der Trasse führen würde. Das Natur- und Luftqualitätspotenzial für die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt wird ebenfalls weitgehend ignoriert.
Steyr hat wenig Durchzugsverkehr, sondern vor allem Einzugsverkehr, wie schon die gründliche Studie von Stickler aus dem Jahr 1993 unmissverständlich gezeigt hat. Warum „wünscht“ man sich so etwas nun wider besseres Wissen herbei und rollt einem künftigen Transitverkehr einen roten bzw. schwarzen Teppich aus? Eine kompakte Lkw-Zählung 2024 hat diese Erkenntnisse neuerlich bestätigt. Initiatorinnen und Initiatoren dieses Faktenchecks sind für ihre Arbeit zum Teil beschämend verunglimpft worden.
Steyr braucht keine weitere Umfahrung sondern intelligente Verkehrslenkung
In den 1980er-Jahren war ein Betriebsgebiet noch im Nordwesten der Stadt vorgesehen. Durch den Kauf des Stadtgut-Areals hat sich das erledigt. Die Anbindung mit der B309 und der neuen Brücke über die Enns hat den Zweck der Verkehrsanbindung vollends erfüllt.
Die politisch Verantwortlichen der Jahre zuvor haben offenbar gewusst, warum sie dieses Belastungsprojekt – sowohl für die Lebensqualität in Steyr als auch für die städtischen Finanzen – nicht umgesetzt haben.
Wie schon 1993 klar herausgearbeitet wurde, braucht Steyr keine Umfahrung, sondern eine intelligente innere Verkehrslenkung. In diese zu investieren, bringt den Bürger*innen und den Unternehmen der Stadt weitaus mehr und wäre ein verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeldern – sowohl was die Investitionskosten als auch die langfristigen Folgekosten betrifft.
Die NGO "Grüngürtel statt Westspange" wird den Faktencheck weiterführen und die Wahrheit(en) dieses Projekts den Bürger*innen von Steyr immer wieder sachlich vor Augen führen.
Eine Leserbrief von "Grüngürtel statt Westspange".