GASTKOMMENTAR. Auch wenn schon länger kein Zirkus mehr in der Stadt war, am kommenden Wochenende erfreuen uns ein paar unterhaltsame Akrobaten des Scharlatanerie in Steyr ...

Gregor von Drabich muss ein toller Mediziner sein, referiert er doch am 11. September über „Informationsmedizin.“ Der Vortrag findet im Amtsgebäude Reithofer in Steyr statt, damit hat man es sozusagen amtlich, dass das eine seriöse Veranstaltung ist. Die Sache hat leider gleich mehrere Haken: Es gibt keine „Informationsmedizin“ und Herr Drabich ist weder Arzt, noch Mediziner noch Apotheker. Er betreibt lediglich das Unternehmen „ambition life“, das allerlei tolle Geräte verkauft. Darunter ein „Harmonei“. Das sieht aus wie ein Gelsenstecker, wird in die Steckdose gesteckt und schütz uns „dank starker Energetisierung“ vor den teuflischen 5G Strahlen. Ebenfalls im Webshop von Herrn von Drabich finden wir den „Sprit-Fuchs“. Das ist eine Art Etikette, die man einfach um die Benzinleitung seines Autos wickelt, und schon spart man „6 bis 20 Prozent“ Treibstoff.

Eine Weiterentwicklung des „Sprit-Fuchs“ dürfte der „Biophotonen Car Generator“ sein. Die Webseite verspricht: „Er hilft, die Verbrennung sowie mechanische und elektrische Prozesse zu optimieren, um dadurch Kraftstoff und Energie einzusparen. Er dient außerdem zur Energetisierung und Optimierung der Aufbewahrungsdauer und der Qualität von Lebensmitteln.“ Ob wir Wurst und Milch nun im Kofferraum unserer Boliden aufbewahren sollen, damit sie länger frisch bleiben, das verrät uns von Drabich leider nicht. Aber wir sind uns sicher, dass der „Biophotonen Car Generator“ sogar Daniel Düsentrieb vor Neid erblassen lässt. 444 Euro sind für das Teil sicher gut investiertes Geld. Wir sind schon gespannt, ob Herr von Drabich bei seinem Vortrag zu Informationsmedizin auch ein wenig seine Expertise in Sachen Benzinsparen einfließen lässt.

Am Samstag, 12. September, sollte man den Vortrag von Peer Eifler im Gasthof Zöchling nicht versäumen. Eifler ist tatsächlich Arzt, vermutlich aber nicht mehr lange. Das hat gute Gründe. Eifler bewirbt seit ein paar Monaten offensiv die Ausstellung von Gefälligkeitsattesten, die Maskenmuffel vom Tragen eines Mund- und Nasenschutzes entbinden sollen. Eine Vorsprache bei unserem Herrn Doktor zum Ausstellen des „ärztlichen Attests“ ist dafür nicht nötig. Eifler füllt unseren Namen in ein Blanko-Formular ein, Stempel drauf und fertig. Im Mai kostete dieser Zettel noch 30 Euro, mittlerweile ist der Spaß um 20 Euro zu haben. Die nette Geste des Arztes aus Bad Aussee spießt sich freilich ein wenig mit dem Ärztegesetz.

Das besagt, dass ein Arzt "ärztliche Zeugnisse nur nach gewissenhafter ärztlicher Untersuchung und nach genauer Erhebung" ausstellen darf. Der Vortrag Eiflers in Steyr lautet „Angstfrei durch Aufklärung“. Aufklärungsbedarf wird Eifler demnächst auch vor den Gremien der Ärztekammer haben, da wird er aber weniger referieren und eher die Fragen jener spaßbefreiten Kollegen zu beantworten haben, die ihren Beruf ernst nehmen.

Vor vielen Jahren reiste Eifler um die Welt, um allerlei „Meister“ kennenzulernen, wie er in einem Interview verrät. Von einem „authentischen Meister“ wurde er unter anderem im Umgang mit „körperloser Energie“ gelehrt. In dem Interview sagt Eifler über sich: „Ich war Guru“. Schöner kann man es gar nicht sagen ...

Christian Kreil schreibt im Standard unter dem Label „Stiftung Gurutest“ seit zwei Jahren über Pseudomedizin, Esoterik und Verschwörungsplauderei. Für das Buchprojekt "Fauler Zauber" (Arbeitstitel) ist er auf der Suche nach Fallbeispielen für "alternativmedizinische" Fehlbehandlungen und zu deren Folgen: Fälle, in denen echte Therapien verzögert oder verweigert wurden zu Gunsten von Humbug und Scharlatanerie. Selbstverständlich können sich sowohl Informanten als auch Opfer auf 100-prozentige Diskretion verlassen.

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