GASTKOMMENTAR. In einem Bericht des heimischen Fernsehsenders RTV kommt der ehemalige Arzt Peer Eifler zum Thema zu Wort. Mit illegalen Scherzattesten für Maskenmuffel hat sich Eifler ein schönes Körberlgeld verdient - und seine Approbation als Arzt verspielt. Jetzt fordert er gar "Nürnberger Prozesse" ...

Bei den "Nürnberger Prozessen" in den Jahren 1945 bis 1949 standen Verbrecher vor Gericht, denen die Ermordung von Millionen Menschen vorgeworfen und nachgewiesen wurden. Mit dem Begriff sollte man daher sorgsam umgehen. Geht jemand damit nicht sorgsam um, ist es Sache der Medien, das zu thematisieren.

In einem Bericht des heimischen Fernsehsenders RTV kommt der ehemalige Arzt Peer Eifler zum Thema zu Wort. Mit illegalen Scherzattesten für Maskenmuffel, hat sich Eifler ein schönes Körberlgeld verdient - und seine Approbation als Arzt verspielt. Nun macht Eifler einen auf Scharfrichter. Er hofft, so erfahren wir in der Covidioten-Belangsendung im Regionalfernsehen, dass es demnächst wieder zu einem "Nürnberger Prozess" kommt. Auf die Anklagebank, auf der einst Massenmord-Logistiker wie Herman Göring und Konsorten schmorten, wünscht sich Eifler offenbar Bundeskanzler Sebastian Kurz und sein Regierungsteam.

Die "Anklage" scheint bereits zu stehen: die Corona-Maßnahmen und die Maskenpflicht sind Eifler und seiner bunten Narrentruppe ein Dorn im Auge. Das alles sehen und hören wir - ohne Widerspruch, Gegenrede oder Kommentar - in einem Beitrag des Regionalsenders RTV zum Thema "Corona-Widerstand". Die Szenen wurden in Wien gedreht, der Regionalsender sieht das mit der Region offenbar nicht sehr eng und auch das mit der Sorgsamkeit nicht. Der redaktionelle Beitrag ist eine bessere Belangsendung eines bizarren Grüppchens von Corona-Leugnern und - im Falle der Aussagen des Arztes Peer Eifler - Verharmlosern des Nazi-Regimes. Da passt es ganz gut ins Bild, dass bei der Sause der Corona-Leugner in Wien die Schutzmasken symbolträchtig dem Feuer übergeben wurden.

Man muss kein Freund der Regierung Kurz sein, man kann deren Kommunikation kritisieren und die Corona-Maßnahmen. Medien dürfen und sollen Kritiker zu Wort kommen lassen. Sie dürfen und sollen die Argumente der Regierung und ihrer Gegner unter die Lupe nehmen. Sie dürfen auch Stellung beziehen und eine Meinung äußern. Sie müssen sich aber auch eines gefallen lassen: an Aussagen gemessen zu werden, die sie kritiklos wiedergeben.

Ein Gastkommentar von Mag. Christian Kreil für e-steyr.com.

Von RTV war auf Anfrage von e-steyr folgendes zu erfahren: "Tatsächlich können Teile der im betreffenden Beitrag von Demo-Teilnehmern und Organisatoren getätigten Aussagen als wirr und verstörend gewertet werden. Menschen, die behaupten, wir würden uns in einer Diktatur befinden, während sie gerade, durch die Ausübung ihres Demonstrationsrechtes, die Vorteile einer Demokratie genießen (Edith Brötzner, Gründerin der Initiative "Österreich ist frei im Vidoe wörtilch: "Wir sind eigentlich schon in einer Diktatur", Anm. Redaktion), oder solche, die „Nürnberger Prozesse“ fordern und somit unsere Volksvertreter mit Kriegsverbrechern und Massenmördern gleich setzen, richten sich nach unserer Meinung allerdings selbst und bedürfen keiner weiteren Kommentierung unsererseits."

"Wir vertreten die Ansicht, dass jedem Menschen das Recht zusteht, seine Meinung öffentlich zu äußern, so lange dabei nicht gegen geltende Gesetze verstoßen wird, und haben uns ganz bewusst entschieden, uns dem allgemeinen Trend, unliebsame Stimmen zu unterdrücken oder gezielt negativ darzustellen, nicht anzuschließen. Medien, die sich am Totschweigen von vom Mainstream abweichenden Meinungen beteiligen, geben Verschwörungstheoretikern erst einen Nährboden und sind somit mitverantwortlich für die aktuelle Spaltung unserer Gesellschaft."

Nun, geschätzte Kollegen vom Regionalfernsehen: wir sind der Meinung, dass Journalismus bedeutet Meinungen von Fakten zu trennen. Wenn ein Regionalsender aus Steyr nach Wien fährt, um über eine Demonstration zu Berichten, die mit der Region Steyr nichts zu tun hat (natürlich betrifft Corona auch Steyr, aber das tut der Klimawandel auch und wegen dem fährt das RTV auch nicht nach Wien), dann muss er seine Gründe haben. Wenn er dann in seinem Beitrag noch Meinungen bringt, wie die von Frau Edith Brötzner, die meint Österreich wäre bereits eine Diktatur, und dies unkommentiert lässt, dann entsteht zwangsläufig der Eindruck, dass der Sender diese Meinung teilt. Sehr lebhaft erinnern wir uns auch an eine Begebenheit, bei der das RTV einen beifallklatschenden Beitrag über einen Vortrag des Ober-Identitären Martin Sellner brachte, der damals in den Räumlichkeiten der Burschenschaft "Eysn zu Steyr" aufgenommen wurde, weil kein Gastronom in Steyr bereit war, dem Herren eine Bühne zu geben. Ihr verzeiht geschätzte Kollegen, aber die Optik ist schief!

Unten: Der Beitrag des Steyrer Regionalfernsehens aus Wien.
Darunter: Propaganda für die "Identitären" die vom Bundesamt für Verfassungsschtutz und Terrorbekämpfung beobachtet werden.