LESERBRIEF. Die wöchentlichen „Spaziergänge” in Steyr haben seit Verlautbarung der Impfpflicht stark an Zulauf gewonnen. So erfahren sie nun auch in der Presse und in der Lokalpolitik Aufmerksamkeit. Meist wird aber nicht viel Gutes darüber geschrieben. Die “illegalen Demos”, wie sie manchmal bezeichnet werden, seien Aufläufe von Rechtsradikalen und Esoterikschwurblern, vor denen man sich in Acht nehmen müsse. Im Sinne von “audiatur et altera pars” (“Man höre auch die andere Seite”, ein alter Grundsatz des römischen Rechts) möchte ich hier meine Sicht der Dinge darlegen. Für diese Gelegenheit bin ich e-Steyr sehr dankbar ...

Mein erster wichtiger Grund, an den Demonstrationen teilzunehmen, ist das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper. Ich will selbst entscheiden können, ob ich mir etwas injizieren lasse oder nicht. Auch wenn die Substanz angeblich oder nachweislich ungefährlich ist. Ich selbst will über meinen Körper entscheiden. Die Ablehnung gegen eine Impfpflicht geht so tief, dass ich bereit bin, dafür bis zum Äußersten zu gehen. Auch wenn ich mit Strafen belegt werden sollte, auch wenn es mich in finanzielle Nöte bringt, auch wenn ich all mein Hab und Gut und mein Haus verlieren sollte: Ich will selbst über meinen Körper bestimmen!

Es werden viele Argumente für das Impfen vorgebracht. Die Ansteckungsgefahr sei damit geringer, schwere Verläufe weit weniger wahrscheinlich. Das mag alles sein. Es ist die Nötigung zu dieser “Behandlung”, die mich widerspenstig machen lässt. Man könnte auch sagen, es ist der Trotz. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich impfen lassen würde, wäre ohne diese Pflicht weit höher. Vielleicht könnte man mich mit Argumenten oder auch mit Belohnungen irgendwann davon überzeugen. Aber eine Pflicht ist ein absolutes No-Go. Es ist diese Arroganz, die ich von Seiten der Regierung und von Seiten totaler Impfpflichtbefürworter empfinde, die ich beschämend finde. Dass jemand anderes es sich herausnimmt, über meinen Körper bestimmen zu wollen. Auch wenn es nur ein kleiner Stich ist.

Ich achte und respektiere jeden Menschen, so wie er ist. Mir käme es nie in den Sinn, jemand anderem so etwas vorschreiben zu wollen. In meinem Weltbild hat niemand das Recht, über jemand anderen zu bestimmen. Freilich brauchen wir Regeln zum Zusammenleben, Gesetze und Verordnungen und Verkehrsregeln. Wir zahlen Steuern und Sozialversicherung, damit wir solidarisch diese Gesellschaft aufrechterhalten. Aber bei keinem anderen Gesetz wird die rote Linie der Selbstbestimmung über den eigenen Körper überschritten!

Mir kommt es so vor, als ob genau diese Frage die Gesellschaft sehr polarisiert. Es geht wirklich um die innere Einstellung: Bin ich selbst für meine Gesundheit verantwortlich und bestimme ich über meinen Körper oder gebe ich die Verantwortung und auch das Bestimmungsrecht dafür an den Staat ab. Das ist eine tiefsitzende Überzeugung, die man nicht so einfach ändert. Nicht mit Dauerpropaganda, nicht mit verordneter Pflicht und nicht mit Geldstrafen. Ja nicht mal mit Gefängnis wird das geändert werden. Natürlich werden sich einige dem Druck beugen und sich impfen lassen. Aber das wird dann nicht aus Überzeugung geschehen. Das Vertrauen in unsere Demokratie wird einen tiefen Riss erfahren.

Zur Erklärung des zweiten wichtigen Grunds für meine Teilnahme an den Demos möchte ich kurz ein altes Gleichnis aus dem Sanskrit anführen, das für mich gut auf die Diskussion und Berichterstattung in dieser Pandemie passt. Fünf Blinde stehen rund um einen Elefanten herum und betasten ihn. Nacheinander berichten sie von ihrer “Wahrheit”:
“Das ist ein dicker Schlauch.” (Der Rüssel)
“Das ist ein Speer.” (Der Stoßzahn)
“Das ist eine Schlange” (Der Schwanz)
“Das ist eine Wand.” (Der Bauch)
“Das ist ein dicker Stamm.” (Ein Fuß)
Sie streiten darüber und niemand will den anderen verstehen. Jeder bleibt bei seiner Wahrheit und keiner hat das Gesamtbild über den Elefanten. Man könnte auch sagen, jeder hat teilweise recht, aber zum noch viel größeren Teil unrecht.

Das ist ein weiteres Thema, warum die Leute auf die Straße gehen. Dass der Fokus auf das medizinische Thema und das Herunterspielen negativer Auswirkungen in andere Bereiche als zutiefst falsch oder verzerrt empfunden wird. Wenn das Sars-Cov-2-Virus in diesem Gleichnis den Rüssel darstellt, kommt es mir so vor, als wenn der Rüssel von allen Seiten bis ins letzte Detail beleuchtet wird. Es wird aber meist ausgeblendet, dass es außer dem Rüssel noch vieles Anderes gibt. Da sind zum Beispiel die Beschneidung von Grundrechten, wirtschaftliche Schäden, explodierende Staatsschulden, Diskriminierung von Ungeimpften und Spaltung der Gesellschaft, starker Anstieg der Selbstmordversuche bei Kindern und vieles mehr. Wer darauf hinweist, dass der Elefant aus noch mehr außer Inzidenzen, Impfquote und belegten Intensivbetten besteht, der wird oft als dummer oder böser Verschwörungstheoretiker bezeichnet.

Es ist dieses Gefühl, dass die eigenen Sorgen von der Regierung und (zu vielen) Mitmenschen nicht ernstgenommen werden, das die Menschen auf die Straße treibt. Und es ist die Erfahrung, dass sich die eigene erlebte Realität nicht mit der Berichterstattung in ORF und den etablierten großen Zeitungen deckt. Ist ja auch kein Wunder. Unter 65 liegt die offizielle Letalität von Corona bei ca. 0,1% der positiv Getesteten (Quelle: https://covid2019.at/). Das ist ungefähr so gefährlich wie die Teilnahme am Straßenverkehr. Darüber hinaus vermute ich als zertifizierter Qualitätsmanager und geübter Statistiker, dass die Dunkelziffer an Infizierten mit milden oder gar keinen Symptomen noch viel höher ist als die offizielle Zahl an Infizierten (positiv Getesteten). Damit wäre der Prozentsatz noch niedriger als 0,1% ...
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Leserbrief von Peter Pirnbacher.

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