GASTKOMMENTAR. Vor knapp zehn Jahren floss das Gas noch reichlich und günstig. Wir wussten zwar alle, dass unsere Energieversorgung vom Russland des Vladimir Putins abhängig ist, aber wir waren im Glauben: Auf den Mann in Moskau mit der Hand am Gashahn ist Verlass. Zumindest so lange alles gutgeht und er nicht die Finger an einen Abzug hält. Und davon war vor zehn Jahren nicht die Rede ...

Das waren schlechte Zeiten für Leute, die auf Unabhängigkeit und regenerative Energien setzen. Just zu dieser Zeit des Vertrauens in Putin wurde die Idee eines Windparks am Damberg geboren. In groben Umrissen: 15 Windräder am Höhenzug des Damberg vom Windloch bis hinüber Richtung Schwarzberg waren geplant. Nun weiß auch der Autor dieser Zeilen, dass 15 Windräder die Stadt Steyr nicht von Erdöl- und Erdgas unabhängig machen, aber immerhin: Grosso modo hätten die weithin sichtbaren Windräder auf dem Höhenzug oberhalb Steyrs den Strombedarf der Stadt decken können, das ist nicht Nichts.
Die Geister schieden sich. Die Befürworter des Windparks argumentierten, dass die schlanken, hohen (bis zu 190 Meter) und eleganten Windräder weithin erkennbare Symbole einer Energiewende und ein Schritt in eine Richtung für die Unabhängigkeit von politisch kaum einschätzbaren Akteuren wären. Davon zeigte sich kaum jemand beeindruckt.

Die Gegner standen alles andere als still. Sie mahnten, auf dem Damberg würde ein Naherholungsgebiet vernichtet für die Errichtung „der Monster“. Vögel würden sich an den Rotoren den Schädel einhauen, die Umwelt und die Menschen würden am Surren der Windräder und an deren Schattenwurf leiden, die Sichtachsen in den Nationalpark würden zerstört. Beim Gasthof Schoiber lagen Unterschriftslisten auf gegen den Windpark. Auch wer mit dem Auto zum Ausflugsgasthof mit Steyr-Blick ratterte, unterschrieb gerne, denn man glaubt es kaum: Für die Errichtung des Windparks hätten Schotterstraßen errichtet werden müssen. Granden in den Umlandgemeinden Garsten und St. Ulrich machten Stimmung gegen die Pläne. Der Tenor: „Des brach ma net, des macht nur Dreck, da fahren sie durch unsere Siedlung mit dem Lastwagen.“

Die Zurufe wurden gehört. Das Aus für die Windräder für eine ganze Region besiegelten damals recht rasch die Gemeinderäte von Garsten und St. Ulrich, zu denen der Damberg nun einmal gehört. Die nötigen Umwidmungen wurden verweigert. Vertreter fast aller politischen Parteien äußerten sich negativ zu dem Projekt, der Alpenverein sagte ebenfalls Njet, auch der Nationalpark Kalkalpen deponierte sein Nein. Auch andere Windkraftprojekte im Ennstal zwischen Steyr und Weyer scheiterten auf ganz ähnliche Weise.

Die Umwelt am Damberg und im Ennstal war gerettet. Und sind wir uns einmal ganz ehrlich: Was gibt es besseres für den Naherholungsraum Damberg und was beeinträchtigt die Naturlandschaften im Ennstal weniger als ein Gasfeld in Sibirien? Dafür müssen keine Straßen gebaut werden! Kein Lastwagen, der ein Rotorblatt transportiert, stört uns, wenn wir beim Schoiber einen gespritzen Most genießen. Kein Vogerl fliegt gegen einen Rotor und die North-Stream Pipelines, die beeinträchtigten sicher keine Sichtachsen in den Nationalpark.

Wer damals die Hand am Gashahn hatte und heute eine Hand am Gashahn und eine Hand am Abzug hat, der durfte sich damals schon die Hände reiben. Weil er wusste: Die Leute, die so blauäugig sind und auf seine Verlässlichkeit vertrauen, die werden sich irgendwann auch die Hände reiben. Weil ihnen kalt wird.

Ein Gastkommentar von Christian Kreil.

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