LESERBRIEF. In Kronstorf soll ein riesiges Amazon Verteilzentrum entstehen. Mit dem Versand-Riesen hat man einen besonders dicken Fisch an Land gezogen. Dick und gefräßig: der Riese mit dem Mega-Umsatz, der minimale Gehälter zahlt, Steuern vermeidet, keine Gewerkschaften zulässt und einen katastrophalen Ruf wegen menschenverachtendem Umgang hat, will in Kronstorf bauen ...

Wie wird es wohl der regionalen Wirtschaft damit ergehen? Die Fläche, die für Amazon-Packhallen, Parkplätze, Verladestationen für LKWs und Bürogebäude verbaut werden soll, ist riesig. Und der große Fisch könnte demnächst einen ihm ebenbürtigen großen Nachbarn bekommen, wenn Google ein Rechenzentrum auf die grüne Wiese stellt. Auf der Webseite des Landes OÖ fanden wir nun folgendes Bekenntnis: „Wir leisten einen wesentlichen Beitrag zum sparsamen Umgang mit Böden bei der Raumentwicklung“. Welch Widerspruch: anstatt wertvolle, unversiegelte Flächen sparsam zu verbrauchen und nur für nachhaltige Projekte zu nutzen, werden sie soeben in großem Stil verschleudert und unwiderruflich zubetoniert. Dabei ist der Boden genau in dieser Region äußert schützenswert, da er ganz besondere Eigenschaften hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen Österreichs, wo man mit großer Trockenheit und daraus folgenden Ertragseinbußen rechnet, wird er voraussichtlich auch in 30 bis 40 Jahren in einem deutlich heißeren Klima noch gute Erträge liefern. (AGES BEAT Projekt)

Auch die landwirtschaftlich genutzten Flächen dort, wo die Westspange/Transitroute entstehen soll, sind für die zukünftige Lebensmittelsicherheit nachweislich wichtig. Das Straßenband allein wird aber schon 20 ha Grund unter sich begraben und eine dichte Ansiedlung von diversen Betrieben nach sich ziehen mit allem was dazugehört: viele Zufahrten, viel Asphalt und Beton und ein hohes Verkehrsaufkommen mit Lärm-, Abgas und Feinstaubbelastung.

Außerdem: über kurz oder lang wird man die Westspange so sehr nutzen, dass sie keine Zeitersparnis mehr bringt. Sie soll ja ein Teilchen der langen Transitroute sein, die direkt von Europas Norden in den Süden führt. Da wird es schnell sehr eng werden, wenn sich die LKWs von Amazon und co stauen. Dann wird der neue Geheimtipp die Straße über den Taborknoten und die Seifentruhe werden. Letztlich wird es sich da wie dort stauen.

Wie kann das sein, dass unsere Politiker und Politikerinnen den Wert der Natur und der Wiesen und Felder, die unsere Ernährung garantieren, aber auch den Wert von Lebensqualität an sich, so missachten? Es ist wie in einem schlechten Traum. Als würden sie schlafwandlerisch 20 oder 30 Jahre alte Projekte umsetzen, die aus einer Zeit stammen, in der der Klimawandel nur eine Randnotiz war und brutales Wirtschaftswachstum über allem stand.

Es ist also notwendig, dass diese unzeitgemäßen politischen Entscheidungen JETZT zurückgenommen werden und stattdessen gemeinsam mit ExpertInnen und BürgerInnen zukunftsfähige, lebensfreundliche und somit langfristig erfolgreiche Konzepte entwickelt werden.
Mag. Alfons Rodlauer, Dr. Sabina Kieninger, Initiative daHuatbrennt

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