LESERBRIEF. Ich bin am Wochenende die geplante Trasse der Westumfahrung Steyr, die sogenannte Westspange, mit dem Rad abgefahren und habe mich furchtbar geärgert. Warum?

Ein wunderschöner Grüngürtel mit kleinen Wäldern, Wiesen, Feldern, einem Bach wird einer Umfahrungsstraße in der Breite und Wuchtigkeit der B309 geopfert. Wo jetzt noch Spaziergänger, Mütter mit Kindern, Radfahrer, Jogger etc. unterwegs sind wird nach den Plänen der verantwortlichen Politiker in ein paar Jahren die Hölle los sein. Die Transithölle. Weil, wenn wir es nüchtern betrachten: Steyr hat kein so großes Verkehrsproblem als dass es diese Umfahrung brauchen würde.
Konzentrieren wir uns auf den Taborknoten, die Ennser Straße und die Seifentruhe. Alle anderen Straßen in Steyr vergessen wir denn auch die Befürworter reden immer nur von einer „Entlastung“ genau dieser Bereiche.

Ich habe mich informiert und folgende Informationen gefunden:
Die Verkehrszahlen des Landes OÖ (Endbericht des Landes OÖ zum Trassenauswahlverfahren B122 Westspange Steyr) vergleicht an 21 Standorten rund um die Westspange eine Zählung aus dem Jahr 2014 mit einer Prognose für das Jahr 2025 ohne und mit der Westspange. Gleich vorweg, der Verkehr insgesamt steigt in beiden Varianten. Aber mit der Westspange steigt er laut Prognose mit über 25.000 Fahrzeugen deutlich mehr. Denn diese Umfahrung schließt eine der Lücken in der Nord-Süd-Transitroute zwischen der A1 Westautobahn und der A9 Phyrnautobahn für Spediteure und auch den Individualverkehr.

Alle die Kilometer einsparen möchten werden dann diese Abkürzung über die Westspange nehmen. Diese 25.000 Autos und LKWs - die kolportierten 400 LKWs von Amazon sind da noch gar nicht eingerechnet - müssen auf der Umfahrungsstraße und in den Stadteinfahrten Seifentruhe und Ennser Straße untergebracht werden.
Und was bedeutet das für den städtischen Verkehr? Laut einer politischen Vereinbarung aus dem Jahr 2010 zwischen dem früheren LH-Stv. Hiesl und dem ehemaligen Bürgermeister Hackl plant man bereits den 4-spurigen Ausbau der Ennser Straße und gerüchteweise auch der Seifentruhe. Denn der alltägliche Verkehrskollaps droht dann nicht nur bei den Kreuzungen der Umfahrung!

Und da bin ich jetzt bei genau dem Punkt, den ich nicht verstehe:
Sollte bei einer Entlastung wie sie durch die Westspange der Bevölkerung versprochen wird nicht genau das Gegenteil passieren? Nämlich eine Verkehrsreduktion und dadurch ein möglicher Rückbau der Ennser Straße und der Seifentruhe?
Nein! Denn eine Entlastung gäbe es laut Prognose nur für ein paar der bekannten Schleichwege wie z.B. der Feldstraße oder der Waldrandstraße. Damit ist meiner Meinung nach die Westspange tatsächlich eine Entlastungslüge. Der stockende Verkehr am Morgen und die „rush hour“ am späten Nachmittag am Taborknoten, der Ennser Straße oder in der Seifentruhe – das ist in den Augen vieler wirklich staugeplagter Großstädter nicht einmal der Rede wert. Und auch zehn Autos vor uns an der Ampel sind ehrlicherweise noch kein Stau.

Aber natürlich sind diese täglichen Überlastungen ein Problem das gelöst werden muss! Im Namen aller Anrainer, im Namen aller Verkehrsteilnehmer – ob sie nun zu Fuß, mit dem Scooter, mit dem Rad oder mit dem Motorrad oder dem Auto unterwegs sind.

Was Steyr braucht ist keine Westspange sondern ein modernes zukunftstaugliches Verkehrskonzept. Gemeinsam mit einer gut durchdachten Planung und Veränderung von Stadtvierteln einhergehend muss der Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen mit dem Rad, zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln endlich wieder attraktiv gemacht werden. Dann würde sich der Individualverkehr reduzieren.

Ich fordere hier vor allem die großen (und auch die kleinen) Arbeitgeber von Steyr auf, unkonventionelle neue und attraktive Konzepte auf den Tisch zu legen, um den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen den Weg zur Arbeit mit Rad oder Öffis attraktiver zu machen und ihren Anteil an der Verkehrsentlastung in Steyr beizutragen. „Go green“ ist ja derzeit ein attraktiver Begriff mit dem sich auch gut werben lässt!

Die Stadt Steyr und die verantwortlichen Politiker von SPÖ, ÖVP und FPÖ (auch des Landes OÖ) fordere ich auf den Mut zu besitzen dieses Projekt Westspange neu zu diskutieren, abzusagen und das geplante Budget von derzeit € 55 Millionen nicht in knapp 4km Straße für Spediteure, Baufirmen und wenige andere Nutznießer zu vergeuden sondern sinnvoll in moderne, zukunfts- und klimataugliche Maßnahmen zu investieren und unsere Region Steyr zu einer Vorzeigeregion in puncto Klima und Verkehr zu machen! Die Politik muss die Menschen und die Lebensqualität in den Mittelpunkt stellen, nicht die LKW und die Autos!

Die Bewohnerinnen und Bewohner von Steyr fordere ich auf: informieren Sie sich im Internet über die geplante Westspange und den Grüngürtel der geopfert werden soll. Beobachten Sie den alltäglichen Verkehr kritisch aber auch pragmatisch und Sie werden feststellen: nein, wir brauchen diese Westspange nicht! Und zeigen Sie auch dass Sie damit nicht einverstanden sind!

Ein Leserbrief von Dr. Johanna Klügl.

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