Oben: Das Team von Streetwork Steyr macht "Catcalling" sichtbar. Foto © Streetwork Steyr

STEYR. „Hey Süße, geiler Arsch!“  Sätze wie dieser gehören für manche Menschen leider zum Alltag. Was oft als harmloser Flirt abgetan wird, ist in Wahrheit verbal übergriffiges Verhalten, sogenanntes "Catcalling". Seit Anfang des Jahres setzt sich Streetwork Steyr intensiv mit diesem Thema auseinander und ruft nun Betroffene und Unterstützer:innen dazu auf, sich zu melden und mitzumachen.

Die rechtliche Situation in Österreich
Anders als in Frankreich, den Niederlanden, Belgien oder Portugal, erfüllt Catcalling in Österreich nicht den Tatbestand der sexuellen Belästigung. Im österreichischen Strafgesetzbuch wird sexuelle Belästigung erst als Tatbestand erfasst, wenn der Täter oder die Täterin handgreiflich geworden ist. Das Beschimpfen und Verspotten von Personen im öffentlichen Raum erfüllt jedoch in Österreich den Tatbestand der Beleidigung, der mit Geld- oder sogar Freiheitsstrafen geahndet werden kann.

Streetwork Steyr startet Initiative
„Catcalling ist kein Kompliment, sondern eine Grenzüberschreitung“, ist man bei Streetwork Steyr überzeugt. "Gemeint ist damit jede Form unerwünschter verbaler Belästigung im öffentlichen Raum: Nachpfeifen, anzügliche Rufe, Kommentare über das Aussehen oder sexuell aufgeladene Gesten. Viele Betroffene fühlen sich dadurch verunsichert, bloßgestellt oder sogar bedroht und gleichzeitig oft ohnmächtig, weil es schwer ist, sich zu wehren oder ernst genommen zu werden."

Um dem etwas entgegenzusetzen, hat Streetwork Steyr die Initiative @catcallsofsteyr auf Instagram gestartet. Dort sollen Erfahrungen von Betroffenen anonym geteilt und sichtbar gemacht werden, durch die Streetworker:innen auch direkt auf der Straße: mit bunten Kreidebotschaften genau an den Orten, an denen die Belästigung passiert ist.

„Wir wissen, dass viele Menschen von Catcalling betroffen sind. Doch der Schritt, darüber zu sprechen, fällt oft schwer. Wir wollen den betroffenen Personen zeigen, dass sie nicht allein sind“, so das Streetwork Team.

Betroffene können sich per Nachricht anonym über Instagram unter @catcallsofsteyr oder direkt bei Streetwork Steyr Resthof melden. Unterstützer:innen können helfen, indem sie der Seite folgen und Beiträge teilen um auf das Thema aufmerksam machen. Ziel der Aktion ist es, die Öffentlichkeit zu erreichen, Solidarität zu fördern und die Gesellschaft langfristig für ein respektvolleres Miteinander im öffentlichen Raum zu sensibilisieren.

„Catcalling ist ein gesellschaftliches Problem“, betont Streetwork Steyr. „Je mehr darüber gesprochen wird, desto klarer wird: Das darf nicht zur Normalität werden!“

 

 

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