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STEYR. Der Glücksspielmarkt in der DACH-Region wächst beständig, wobei das Thema Online-Glücksspiel eine wichtige Rolle spielt. Deutschland, Österreich und die Schweiz unterhalten verschiedene Regulierungskonzepte mit identischen Zielen. Wirtschaftliche Interessen stehen im Fokus, aber auch die Themen staatliche Kontrolle und Spielerschutz sind von entscheidender Bedeutung.

Alle drei Länder haben jeweils eigenständige Modelle entwickelt, um einen soliden Markt mit Einnahmen zu generieren und trotzdem auf Verbraucherschutz zu achten. Die Frage nach der fairsten Regulierung ist dabei nur zu beantworten, wenn die unterschiedlichen Systeme im Detail und inklusive aller Vor- und Nachteile abgewogen werden.

In Österreich gilt nach wie vor ein Monopol
Das Land Österreich steuert seinen Glücksspielmarkt über das Monopol von Casinos Austria und den Österreichischen Lotterien. Dabei gilt für Online-Casinos, dass ausnahmslos nationale Lizenzen erlaubt sind. Obwohl das System Österreichs Vorteile hat, und sich Regeln besonders leicht durchsetzen lassen, gibt es viel Kritik. Ein Thema ist immer wieder, dass Österreichs beste Online Casinos kaum Chancen im Land haben, obwohl es sich um seriöse und geprüfte Anbieter mit ausländischer Lizenz handelt. Das Thema Neuregulierung und Monopolauflösung ist immer wieder relevant und wird von den Regierungen sanft angestoßen. Ob und wann es dazu kommt, ist auch 2025 nicht bekannt.

Der Vorteil des Systems in Österreich liegt in der direkten Marktüberwachung durch staatliche Instanzen. Bei Werbungen und Jugendschutz gibt es strenge Kontrollen, außerdem fließen Erlöse und Steuereinnahmen größtenteils direkt in soziale und gemeinnützige Projekte.

Spielerschutz lässt sich effektiv umsetzen, da die Anzahl der legalen Angebote überschaubar bleibt. Die Schattenseite ist allerdings die eingeschränkte Auswahl und die geringe Marktvielfalt für Nutzer. Da der internationale Wettbewerb fehlt, werden Innovationsanreize ausgebremst und die Diskussionen um eine fortschrittlichere Regulierung flammen in Wirtschaft und Politik immer wieder auf.

Hinzu kommt, dass der Schwarzmarkt in Österreich sehr aktiv ist und die Regierung diesbezüglich kaum gegensteuert. In dieser Hinsicht wäre es für das Land die bessere Option, den Markt zu öffnen und damit auch seriösen Anbietern aus dem Ausland eine Chance zu geben.

So funktioniert die Regulierung in Deutschland
Mit dem Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) wurde in Deutschland erstmals ein einheitlicher Rahmen für Online- und Offline-Glücksspiele geschaffen. Alle Anbieter benötigen eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder. Diese wird nur vergeben, wenn der Betreiber umfangreiche Vorgaben zum Schutz der Spieler erfüllt. 

Dazu gehören:
monatliche Einzahlungslimits von 1.000 Euro
Einsatzlimits für Automatenspiele mit maximale einem Euro pro Spin
Werbebeschränkungen für Online-Spielotheken
OASIS-Sperrdatei für Fremd- und Selbstsperrungen
Identitätsnachweise bei Registrierung
verpflichtende Spielpausen für Spieler

Beim Kampf gegen den Schwarzmarkt möchte Deutschland künftig stärker auf Website-Sperren und IP-Banns setzen. Eine Rolle spielt auch die Blockade von Zahlungen zu nicht lizenzierten Plattformen. Trotz dieser Maßnahmen ist die Kanalisierungsquote in den letzten Jahren deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Viele deutsche Spieler wenden sich weiterhin Graumarktangeboten oder internationalen Betreibern zu.

Fairness wird durch die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Maßnahmen aber trotzdem geboten. Die strenge Umsetzung ist aber gleichzeitig herausfordernd und stellt nicht nur Spieler, sondern auch Betreiber vor bürokratische und technische Probleme.

Aus Kritikersicht führen restriktive Limits und die steuerliche Belastung (Spieleinsatzsteuer) teilweise zu Abwanderungen in die rechtlichen Grauzonenbereiche. Verbraucherschützer hingegen verteidigen die derzeitigen Maßnahmen im Hinblick auf Datenschutz und Spielsuchtprävention.

Schweizer Lizenzsystem setzt auf Abschottung und konsequenten Schutz
Die Schweiz hat ihr Glücksspiel im Jahr 2019 mit dem neuen Geldspielgesetz (AMG) reformiert. Hier gilt, dass nur landbasierte Schweizer Casinos mit Lizenz auch Online-Glücksspiele anbieten dürfen. 

Mit Netzsperren sorgt die Schweiz dafür, dass ausländische Anbieter quasi komplett ausgeschlossen werden. Die Erträge aus Glücksspiel werden für gemeinnützige Projekte und die Altersvorsorge der Bevölkerung genutzt. Dadurch kann die Schweiz einen hohen Anteil an sozialer Akzeptanz im Land generieren.

Im Hinblick auf den Verbraucherschutz gilt die Schweiz als Musterbeispiel. Die Anbieter sind verpflichtet, auffälliges Spielverhalten zu beobachten und bei Bedarf Sperren auszusprechen. Wie in Deutschland sind auch hier Werbemaßnahmen streng reguliert, Identitätsprüfungen sind obligatorisch.

Die nationale Abschottung hat für Verbraucher zwar einige sicherheitsrelevante Vorteile, bietet aber auch Einschränkungen. Innovationen und internationale Trends zeigen sich auf dem Schweizer Markt erst spät. Es gibt außerdem weniger Auswahl und der Zugang zu internationalen Angeboten ist praktisch unmöglich.

Spielerschutz und Prävention – wer macht es am besten?
Alle drei Länder der DACH-Region investieren in Präventionsmaßnahmen und setzen hohe Maßstäbe für Spielerschutz. Deutschland vertraut hier auf die OASIS-Sperrdatei und strenge Limits, Österreich steuert direkt über seine Monopolstruktur. In der Schweiz besteht sogar eine aktive Sperrpflicht. Anbieter sind dazu verpflichtet, problematisches Spielverhalten selbst zu erkennen und Spieler zu schützen.

Die Schweiz gilt international als Vorreiter im Bereich der proaktiven Spielsuchtprävention. Die laufende Auswertung von Daten zum Stopp von schädlichem Spielverhalten hat sich bewährt. Wer betroffen ist, findet schnell persönliche Beratung und Unterstützung. Allerdings kann der Fokus auf nationale Betreiber auch dazu führen, dass die Schweiz in Sachen Fortschritt zurückbleibt. Durch die strenge Umsetzung der Netzsperren ist der Zugang zum Graumarkt aber stärker eingeschränkt als andernorts, sodass die meisten Schweizer Spieler auch tatsächlich aufs lokale Angebot zurückgreifen.

Wettbewerb als Motor für Innovationen wichtig
Die Weiterentwicklung des Angebots ist für Glücksspielbetreiber aus Wachstumssicht wichtig. Spiele werden moderner, die Unterstützung durch künstliche Intelligenz ist ein Thema. Innovationen lassen sich immer da vorantreiben, wo es einen echten Wettbewerb gibt. Dann sind Anbieter gezwungen, sich Alleinstellungsmerkmale zu erarbeiten und mit der Zeit zu gehen. Österreich und die Schweiz bremsen die Innovationsfreiheit durch den geblockten Zugang für neue Anbieter selbst aus.

In Deutschland sind es Restriktionen, an denen Anbieter scheitern. So darf hier beispielsweise kein Tischspiel mit Ausnahme von Poker praktiziert werden. Moderne digitale Casinos mit elektronischem Roulette oder Live-Angeboten können sich auf dem deutschen Markt folglich nicht etablieren. Bei der Spielauswahl sind die Schweiz und Österreich wieder fortschrittlicher. Hier beschränkt man die Betreiber, nicht aber das Spielangebot.

Fazit: DACH-Region beweist, dass es kein Patentrezept gibt
Mit der Regulierung des Glücksspiels in der DACH-Region zeigen sich zwei Dinge. Einerseits wird klar, dass die Nachfrage vor allem für Online-Angebote immer weiter steigt. 
Andererseits zeigt sich auch, dass der schmale Grat zwischen wirtschaftlichen Interessen und Verbraucherschutz gar nicht so leicht zu bewandern ist. Langfristig gesehen dürfte ein Lizenzmodell wie Deutschland die besten Chancen auf Erfolg haben, allerdings droht hier immer die Gefahr einer Überregulierung. 

Sollte sich Österreich zur Auflösung des Monopols entscheiden, könnte eine Mischung aus Schweizer Modell (primär landbasierte Anbieter mit Sitz in der Schweiz) und deutschem Modell (Zugang privater Anbieter nur nach strenger Kontrolle) erstrebenswert sein.
 

 

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