STEYR. Wegen des Vorwurfs der Verhetzung stand heute, 16. Dez. 2025, ein 50-jähriger, in Steyr wohnhafter Deutscher und lange Zeit Teilnehmer der „Sonntagsspaziergänge“ am Landesgericht Steyr vor Gericht. Der bisher unbescholtene Mann hatte am 20.9.2025 auf seinem Facebook-Account gepostet, dass „wenn man jemanden der LGBTQ+-Community in 200 Jahren ausgräbt, man nur das Skelett eines Mannes oder einer Frau finden würde, der Rest sei eine psychische Krankheit“. Für die Staatsanwaltschaft Steyr eine klare Herabwürdigung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung.
Der Deutsche, der die Steyrer Sonntagsspaziergänge regelmäßig via Facebook streamte, erregte in seinen Videos immer wieder mit seinen Aussagen Aufsehen. So bezeichnete er beispielsweise in seinem Livestream die Demonstranten bei der „Neutorwache“ wiederholt als „Neutornazis“.
Der Mann, der in der Vergangenheit immer wieder Verwaltungsstrafen erhalten hatte, die sich insgesamt auf immerhin 10.000 Euro belaufen, zeigte sich gegenüber dem Vorwurf der Verhetzung geständig und gab an, das Posting zu bereuen. Weiters versicherte er in Bezug auf sein Posting, damals die Tragweite nicht verstanden zu haben und heute ein anderer zu sein.
Richterin und Staatsanwaltschaft stimmten einer Diversion inklusive Strafzahlung von 2.500 Euro zu. Zu leisten ist die Zahlung innerhalb von 6 Monaten, andernfalls wird das Verfahren fortgesetzt.
Wie sich die Sinnesänderung des Angeklagten in der Praxis bewähren wird, bleibt abzuwarten. Erst am Sonntag, 7. Dez. 2025, war auf dem Livestream des 50-jährigen Deutschen zu hören, wie ein anderer Spaziergänger die Vorhersage des bayerischen Rutengehers und Hellsehers Alois Irlmaier zustimmend zitierte, nachdem „sie (die Politiker, Anm. Red.) alle bald von den Lichtmasten und Fenstergittern hängen werden“. Der Deutsche, der heute in Steyr vor Gericht stand, ergänzte: „Ich würde gerne, dass das langsam geht. Es muss denen richtig weh tun. Nur jetzt zu sagen, ein Todesurteil – das ist mir zu wenig. Die müssen Schmerz spüren.“ Eine Kopie der relevanten Ausschnitte des Videos liegt der e-steyr-Redaktion vor.
Spaziergänger distanzieren sich
Auf die regelmäßigen Livestreams des Deutschen wird man in Zukunft vermutlich verzichten müssen. Nachdem seine fragwürdigen Äußerungen bei den Organisatoren der Spaziergänge offensichtlich über Monate hinweg unbemerkt und unkommentiert geblieben waren, distanzierte man sich nun spontan. Während er gegenüber e-steyr.com erneut zu keinem Statement bereit war, teilte einer der Organisatoren, Bernhard Schlager, den OÖNachrichten unlängst mit, man sei ob der Aussagen des Deutschen schockiert und schließe ihn daher von den Spaziergängen aus.