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STEYR. Das österreichische Glücksspielgesetz stammt aus dem Jahr 1989 und wurde seither lediglich punktuell angepasst und nie grundlegend überarbeitet. Damals gab es noch kein kommerzielles Internet, keine Smartphones und die Dienstleistungsfreiheit in der EU war in heutiger Form noch nicht gegeben.

Die politische Sprengkraft des Themas wurde spätestens 2019 erkennbar. Im Kontext der Ibiza-Affäre gerieten mutmaßliche Deals zwischen FPÖ-Politikern und dem Glücksspielkonzern Novomatic ans Licht. Glücksspiellizenzen im Tausch gegen die Besetzung eines Vorstandsplatzes bei dem börsennotierten Casinos Austria, so lautete der Verdacht. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt bis heute. Im März 2026 stand Ex-Vizekanzler Strache erneut vor Gericht.

Trotzdem hat die Reform auch aus einem anderen Grund über Jahre auf sich warten lassen: die Eigentümerstruktur. Die Casinos Austria AG gehört zu knapp 60 Prozent der tschechischen Allwyn-Gruppe. Über die ÖBAG hält der Staat etwa 33 Prozent. Das Finanzministerium war bislang zugleich Aufsichtsbehörde wie auch Lizenzgeber. Ein Konstrukt, das nicht einmal viele Befürworter des Monopols verteidigen können.

Was im Reformentwurf steckt
Seit November 2025 liegt ein Gesetzentwurf der Dreierkoalition samt Verfassungsklage im Parlament. Es soll folgendes leisten: eine vom Verfassungsgericht unabhängige Glücksspielbehörde, die das Finanzministerium als Aufsicht ablöst, besetzt durch einen dreiköpfigen Richtersenat, den der Bundespräsident ernennt. Geplant sind ein zentrales Spielersperrsystem nach deutschem Vorbild ebenso wie gesetzliche Einzahllimits. Wer sich derzeit online orientiert und gute Casinos mit Willkommensbonus finden will, befindet sich auf einem Markt, auf dem es keine einheitliche Aufsicht gibt und die Bonusbedingungen von Plattform zu Plattform massiv unterschiedlich sind. Genau das soll sich ändern.

Bis Mitte 2026 soll das neue Gesetz stehen. Die Zeit drängt. Die Lotteriekonzessionen und jene für das Online-Glücksspiel enden am 30. September 2027, jene für die sechs Casinos in Wien, Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck und Bregenz Ende desselben Jahres.

Was fehlt: ein klares Bekenntnis zur Öffnung des Marktes. Der Linzer Ressortchef Rudi Marterbauer von der SPÖ will das Online-Monopol aufrechterhalten. Anders sehen das Teile der ÖVP und die NEOS. Der Interessenverband OVWG plädiert für ein Lizenzsystem, bei dem Qualitätskriterien den Zuschlag entscheiden und nicht eine politisch vorgegebene Obergrenze.

70 Prozent spielen am Etat vorbei
Bei der Sache wird es unübersichtlich, denn die Zahlen variieren je nach Quelle. Eine im Jänner 2026 veröffentlichte Studie des Beratungsunternehmens Regulus, die von Tipico in Auftrag gegeben wurde, beziffert den Schwarzmarktanteil am österreichischen Online-Glücksspiel auf bis zu 71 Prozent. Das heißt Win2Day, das ist mit seiner in Österreich konzessionierten Plattform, kann demnach nur 29 bis 37 Prozent des Online-Publikums auf sich ziehen.

Casinos Austria widerspricht. Der Monopolist gibt zu Protokoll, er erreiche über 50 Prozent der Online-Spieler. Das Finanzministerium gibt freimütig zu, keine eigenen belastbaren Daten zu haben.

Die Schere zwischen diesen Einschätzungen ist kein Zufall. Den illegalen Markt abzuschätzen ist eine Herausforderung. Doch selbst in der konservativsten Variante bedienen sich erschreckend viele Spieler an Plattformen, die nicht über eine Lizenz aus dem Inland verfügen. Dort gibt es weder Limits für Einzahlungen noch Sperrsysteme. Und genau das macht die Debatte umso dringlicher: Spielerschutz kann nur funktionieren, wenn er dort ansetzt, wo Spieler tatsächlich erreicht werden.

Was Dänemark anders macht
Im europäischen Vergleich haben fast alle Staaten außer Österreich und Polen längst ein Lizenzsystem eingeführt. Dänemark gilt als Referenzfall. 2012 öffnete das Land seinen Markt und ließ private Anbieter unter staatlicher Aufsicht zu.

Die dänische Glücksspielbehörde Spillemyndigheden meldete für 2024 eine Kanalisierungsrate von 91,5 Prozent. Über neun von zehn Spielern sind dort auf lizenzierten Plattformen aktiv. Ein Selbstausschlusssystem namens ROFUS begleitet das Modell seit Jahren.

Spannungsfrei ist auch Dänemark nicht. Die Regierung hat mit dem Paket "Spilpakken 1" Verschärfungen eingeleitet, unter anderem ein Werbeverbot bei Live-Übertragungen und strengere Limitvorgaben. Branchenvertreter warnen, dass zu restriktive Regeln Spieler zurück in den Schwarzmarkt treiben. Das zeigt: Kein Modell löst alle Probleme gleichzeitig. Die dänische Erfahrung liefert Argumente für beide Seiten der österreichischen Debatte.

Worauf es bei der Anbieterwahl ankommt
Solange der österreichische Markt nicht neu reguliert ist, bleibt die Lage für Spieler unübersichtlich. Hunderte Plattformen mit EU-Lizenzen aus Malta oder Gibraltar sind zugänglich, unterliegen aber keiner österreichischen Aufsicht.

Einige Orientierungspunkte, die unabhängig von der künftigen Gesetzeslage gelten:
• Lizenzstatus prüfen, bevor ein Konto eröffnet wird. Eine Konzession der Malta Gaming Authority oder der britischen Gambling Commission bedeutet zumindest funktionierende Regulierung.
• Spielerschutz-Tools nutzen. Einzahllimits, Verlustgrenzen, Selbstausschluss. Seriöse Plattformen bieten das freiwillig an.
• Bonusangebote kritisch bewerten. Die Umsatzbedingungen entscheiden, ob ein Willkommensbonus in der Praxis tatsächlich einlösbar ist oder nur auf dem Papier attraktiv wirkt.

Wer gewinnt, wenn sich die Regeln ändern
Der Marktforscher Branchenradar hat im Februar 2026 zwei Szenarien durchgerechnet. Im Modell einer kontrollierten Marktöffnung mit 15 Lizenzen prognostiziert die Studie kumulierte Einnahmen von bis zu 1,88 Milliarden Euro an Steuern für den Zeitraum 2026 bis 2031 und eine Kanalisierungsrate von über 85 Prozent. Im Monopolszenario mit verschärften Produktregeln lägen die Einnahmen bei nur 600 Millionen Euro.

Ob es zur Öffnung kommt, ist offen. Die Ausschreibung neuer Konzessionen dauert mindestens 45 Monate. Scheitert die Einigung, droht eine Verlängerung der bestehenden Lizenzen um bis zu zwei Jahre.

Die Österreichischen Lotterien und Casinos Austria haben sich bereits auf sämtliche auslaufenden Konzessionen beworben. International hat der US-Konzern Brightstar öffentlich Interesse am österreichischen Lotteriegeschäft bekundet. Was am Ende herauskommt, entscheidet sich in den parlamentarischen Verhandlungen der nächsten Wochen. Der Entwurf liegt auf dem Tisch. Die Frage ist, ob er dort liegen bleibt.

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