UPDATE: Statement RTV, Nicolas Schott, Chefredaktuer. 23. April, 16 Uhr:
Uns von RTV ist eine respektvolle und konstruktive Debattenkultur – sowohl im Fernsehen als auch in den sozialen Medien – ein großes Anliegen. In unseren Sendungen weisen wir regelmäßig auf die Bedeutung eines sachlichen und respektvollen Umgangs hin.
Auch auf unserer Facebook-Seite ermöglichen wir grundsätzlich eine offene Diskussion. Im Unterschied zu e-Steyr lassen wir dabei bewusst auch kritische und teilweise pointierte Kommentare zu, sofern diese nicht gegen geltendes Recht oder unsere Richtlinien verstoßen.
Die Diskussionen auf unserer Seite umfassen tausende Kommentare pro Woche. Diese werden laufend überprüft, jedoch ist es aufgrund dieser Menge nicht immer möglich, jeden einzelnen Beitrag unmittelbar zu prüfen. Bei Bedarf werden Kommentare gelöscht oder an Facebook gemeldet.
Sollten wir auf strafrechtlich relevante Inhalte aufmerksam gemacht werden, reagieren wir umgehend und entfernen diese.
RTV lässt massiv sexistische und beleidigende Kommentare stehen – keine Reaktion auf Anfrage
GARSTEN/STEYR-LAND. Unter einem aktuellen Facebook-Beitrag des ehemaligen Regionalsenders RTV über eine gescheiterte Klage der Initiative „Omas gegen Rechts“ gegen FPÖ-Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner finden sich zahlreiche Kommentare, die die Organisation in grob sexistisch-rassistischer und herabwürdigender Weise beschimpfen. Trotz der offensichtlichen Grenzüberschreitungen sind diese Postings seit mehr als 24 Stunden öffentlich sichtbar – RTV hat sie bislang weder gelöscht noch dazu Stellung genommen ...
In besagtem RTV-Beitrag wird darüber berichtet, dass das Gericht im Rechtsstreit zugunsten Haimbuchners entschied. In der Diskussion unter dem Beitrag eskalierte jedoch rasch der Ton. Mehrere Nutzer:innen bezeichnen „Omas gegen Rechts“ unter anderem als „Gsindl“ und „dumme Huren“, unterstellen ihnen Sympathie für „Vergewaltiger“ oder „Messerstecher“ und verwenden rassistische Ausdrücke. Der e-steyr-Redaktion liegen Screenshots der Kommentare vor.
Einige besonders widerliche Beispiele der aktuell (Stand Redaktionsschluss) weiterhin abrufbaren Kommentare im Originalwortlaut:
- „OMAS FÜR NEGGERSCHWÄNZE“
- „DIE OMAS FREUEN SICH WENN SIE NOCH JEMAND FICKT DEMLICHE HURREN“
- „AB IN DIE HÖLLE MIT DIESEN GSINDL VON NIXTUERN“
- „OMAS GEGEN RECHTS BEDEUTET: OMAS FÜR VERGEWALTIGER, OMAS FÜR MESSERSTECHER, OMAS FÜR KRIEG UND VÖLKERMORD, OMAS FÜR NIEDRIGERE RENTEN, OMAS FÜR MASSENEINWANDERUNG OMAS FÜR HOHE ENERGIEPREISE, KURZ GESAGT: ALTER SCHÜTZT VOR DUMMHEIT NICHT.“
Diese Wortmeldungen überschreiten selbst den Rahmen einer harten politischen Auseinandersetzung sowie der freien Meinung deutlich und richten sich pauschal gegen eine zivilgesellschaftliche Gruppe älterer Frauen, die sich seit Jahren unter anderem gegen Rechtsextremismus engagiert.
e-steyr hat die RTV-Redaktion gestern, 22. April, schriftlich um eine Stellungnahme zu folgenden Punkten gebeten:
- Moderiert RTV die Diskussion auf seiner Facebookseite?
- Wenn ja, nach welchen Kriterien entscheiden wird, ob Kommentare gelöscht bzw. verborgen werden?
Bis zur Veröffentlichung dieses Artikels blieb unsere Anfrage unbeantwortet.
Ruth Pohlhammer von "Demokratie verteidigen Steyr" dazu: "Dass der deutlich rechts-lehnende Verschwörungssender RTV aus Garsten bei Steyr die widerlichen Kommentare seiner User (s. Artikel) nicht löscht, zeigt erneut wie menschenverachtend sich der Diskurs in den sozialen Medien zunehmend zeigt. Diese Untätigkeit von RTV kann ich nur als demokratie-zersetzend einstufen und bin tief erschüttert über den Tonfall und Inhalt dieser Kommentare".
Brisanz vor dem Hintergrund laufender Kritik an RTV
Die Nicht-Moderation derartiger Kommentare erhält zusätzliche Brisanz vor dem Hintergrund der aktuell laufenden Online-Petition, die die staatliche Förderung von RTV kritisiert und dem Sender eine Nähe zu rechtsextremen Positionen vorwirft. Die Initiator:innen werfen RTV unter anderem vor, ein „Sprachrohr der FPÖ und der rechtsextremen Szene“ geworden zu sein und fordern die Medienbehörde auf, die Förderpraxis zu überprüfen.
Unabhängig vom Ausgang dieser Debatte wirft der Umgang mit den Facebook-Kommentaren eine grundsätzliche Frage auf: Welche Verantwortung tragen Medien, wenn in ihren Foren und Kommentarspalten offen zu Hass, Verächtlichmachung und Entmenschlichung bestimmter Gruppen beigetragen wird – und wo ziehen sie selbst die Grenze?
RTV hat bislang nicht erkennen lassen, ob oder wie der Sender auf die dokumentierten Postings reagieren wird. Sollte noch eine Stellungnahme eintreffen, wird e-steyr diese nachreichen.