STEYR. In der Diskussion um die Zukunft des österreichischen Glücksspielmarktes scheint es aktuell nicht wirklich voranzugehen. Ob und was im Parlament hinter verschlossenen Türen verhandelt wird, ist selbst den großen Leitmedien nicht bekannt. Klar ist, dass es grob nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder bleibt alles so, wie es seit jeher ist. Das heißt, das Monopol bleibt bestehen und der Markt weiterhin geschlossen. Oder aber der Markt wird erstmals geöffnet, mit allen Implikationen und Konsequenzen.
Geleakte Dokumente und Spekulationen – Was bisher bekannt ist
Am 11. Dezember 2025 berichtete Profil über einen geleakten Entwurf für ein neues Glücksspielgesetz aus dem Finanzministerium. Der Text sei bereits in der Vorwoche an die Öffentlichkeit gelangt. Wer den Entwurf weitergegeben habe, sei dabei unklar. Bei dem Papier handle es sich allerdings nicht um einen fertigen Gesetzestext, sondern lediglich um eine „Verhandlungsgrundlage”.
Laut Profil sei im Entwurf von der Errichtung einer unabhängigen Glücksspielbehörde die Rede, die künftig über die Vergabe von Lizenzen entscheiden solle. Was zunächst nach Marktöffnung klingt, könnte jedoch das Gegenteil sein. Demnach zementiere der Entwurf tatsächlich den aktuellen Status Quo.
Genannt würden weiterhin 12 Casino-Konzessionen im terrestrischen Bereich, während die einzige Online-Lizenz weiterhin an die Lizenz der Österreichischen Lotterien gebunden sein würde. Damit würde die Lotto-Tochter win2day weiterhin die einzige regulierte Online-Glücksspiel-Plattform Österreich bleiben.
Ein freier Markt mit echter Konkurrenz durch ein anderes seriöses Online Casino. zum Beispiel Novoline, würde damit verwehrt bleiben. Spieler würden sich also weiterhin mit einem eher eingeschränkten Angebot zufrieden geben müssen, wenn sie nur auf einer österreichischen Plattform spielen möchten.
Spielerschutz oder Schutz des Monopols?
Beim Erhalt des Status quo der österreichischen Glücksspiellandschaft wird immer wieder auf den Spielerschutz verwiesen. Das Argument dahinter lautet, dass ein stark begrenzter Markt leichter zu kontrollieren sei als ein offenes Lizenzsystem mit vielen konkurrierenden Anbietern.
Weniger Anbieter würden schließlich weniger Schnittstellen, weniger Werbung und aus Sicht der Regulierung auch weniger Risiko bedeuten, dass problematisches Spielverhalten zwischen verschiedenen Plattformen unbemerkt bleibt. Diese Aussagen stehen aber nicht frei von wirtschaftlichen Interessen.
Schließlich sind es insbesondere die Österreichischen Lotterien selbst, die sich für den Erhalt ihres eigenen Monopols aussprechen. Befürworter finden sie dabei vor allem in Teilen der SPÖ und ÖVP, wobei letztere Berichten zufolge zumindest eine teilweise Marktöffnung mit einem stark begrenzten Lizenz-System nicht ausschließe.
Die Argumente für eine Marktöffnung
Auf der anderen Seite steht die Frage, ob ein Monopol im digitalen Glücksspiel überhaupt noch zeitgemäß ist. Denn auch wenn der österreichische Markt offiziell geschlossen bleibt, weichen viele Nutzer längst auf internationale Plattformen aus. Der Markt ist also rechtlich begrenzt, praktisch aber nicht vollständig abgeschottet.
Ein häufiges Argument für eine Öffnung lautet daher, dass der Staat mehr Kontrolle hätte, wenn mehrere Anbieter offiziell lizenziert und reguliert würden. Statt internationale Plattformen nur zu blockieren, könnten sie unter klare österreichische Regeln gestellt werden.
Dazu würden insbesondere Vorgaben zu Spielerschutz, Werbung, Einzahlungslimits, Identitätsprüfung und Besteuerung gehören. Deswegen wäre eine Öffnung auch wirtschaftlich höchst relevant.
Mehr lizenzierte Anbieter könnten höhere Abgaben bedeuten und damit zusätzliche Einnahmen für den Staat bringen. Gleichzeitig würde mehr echter Wettbewerb entstehen. Für Spieler könnte das mehr Auswahl, bessere Produkte und auch insgesamt transparentere Bedingungen bedeuten.
Deutschland und andere Länder haben es vorgemacht
Wie so oft lohnt sich zunächst der Blick zum großen Nachbarn. Deutschland hat seinen Online-Glücksspielmarkt mit dem Glücksspielstaatsvertrag von 2021 bundesweit neu geregelt. Seitdem gibt es ein offizielles Lizenzsystem für private Anbieter. Online-Casinos, Sportwetten und virtuelle Automatenspiele können unter klaren gesetzlichen Auflagen legal angeboten werden.
Das frühere Nebeneinander aus Verboten, Sonderwegen und rechtlichen Graubereichen wurde damit durch ein einheitlicheres Regulierungsmodell ersetzt. Wer sich heute um eine deutsche Lizenz bemüht, muss umfangreiche Auflagen erfüllen.
Dazu zählen monatliche Einzahlungslimits, Identitätsprüfungen, Werbebeschränkungen und zentrale Sperrsysteme für problematische Spieler. Gleichzeitig versucht der Staat, illegale Anbieter stärker zu blockieren und Spieler in den regulierten Markt zu lenken.
Auch die Niederlande haben sich im selben Jahr für eine kontrollierte Marktöffnung entschieden. Dort trat 2021 das sogenannte KOA-Gesetz in Kraft, das private Online-Anbieter unter staatlicher Regulierung zulässt. Parallel dazu wurden die Regeln für Werbung und Spielerschutz vergleichsweise streng gestaltet.
Dänemark hingegen gilt innerhalb Europas häufig als Beispiel für ein besonders fortschrittliches Lizenzmodell. Der Markt wurde dort bereits 2012 liberalisiert und seitdem existieren mehrere lizenzierte Anbieter parallel zueinander, während der Staat weiterhin Kontrolle über Besteuerung, Werbung und Spielerschutz behält.
Dieses sogenannte „dänische Modell“ taucht mittlerweile auch in der österreichischen Debatte regelmäßig auf. Ähnlich verlief auch die Entwicklung in Schweden. Dort wurde das frühere Monopol 2019 durch ein modernes Lizenzsystem ersetzt.
Erklärtes Ziel war es unter anderem, Spieler aus dem unregulierten Markt in einen kontrollierten legalen Bereich zu lenken. Gleichzeitig kämpft aber auch Schweden weiterhin mit Problemen rund um illegale Plattformen und die Frage, wie streng Werbung und Bonusangebote reguliert werden sollen.
Die Beispiele zeigen vor allem eines. Eine Marktöffnung bedeutet nicht automatisch einen vollkommen freien Glücksspielmarkt. In fast allen europäischen Ländern geht die Öffnung mit neuen Regeln, technischen Kontrollsystemen und strengeren Vorgaben für Anbieter einher. Österreich hätte also genügend Orientierungspunkte für eine ähnliche Entscheidung.
Der weitere Zeitplan für Österreich
Wie es konkret weitergeht, dürfte sich spätestens im Laufe des Jahres 2026 entscheiden. Der Druck auf die Politik steigt vor allem deshalb, weil mehrere wichtige Glücksspielkonzessionen in den kommenden Jahren auslaufen. Besonders relevant ist dabei die Online-Lizenz der Österreichischen Lotterien, die derzeit noch bis September 2027 gilt.
Aber auch mehrere Casino-Konzessionen der Casinos Austria AG enden Ende 2027. Spätestens bis dahin muss entschieden werden, wie der österreichische Glücksspielmarkt künftig aussehen soll. Für Österreich wird damit aus einer jahrelangen Grundsatzdebatte zunehmend eine konkrete Fristenfrage.
Eine Neuordnung des Marktes lässt sich nicht erst kurz vor Ablauf der Konzessionen beschließen. Dafür müssten schließlich Ausschreibungen vorbereitet, Zuständigkeiten geklärt und gesetzliche Anpassungen rechtzeitig auf den Weg gebracht werden.
Je länger die Entscheidung hinausgeschoben wird, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende vor allem eine Übergangslösung bleibt. Sollte bis 2027 keine neue Lösung beschlossen werden, müsste die Regierung entweder das bestehende System verlängern oder kurzfristig eine Übergangsregelung schaffen.
Dass eine solche Verzögerung auch gelegen kommen könnte, ist dabei nicht ausgeschlossen. Schließlich ließe sich die Grundsatzfrage nach einer Liberalisierung auf diese Weise noch einmal vertagen, ohne sie offen beantworten zu müssen.
In jedem Fall wären dann neue Diskussionen rund um Wettbewerb, Regulierung und EU-Recht zu erwarten. Die Glücksspielreform bleibt damit eines der spannendsten wirtschaftspolitischen Themen der kommenden Jahre in Österreich.
Glücksspielreform in Österreich: Wird der Markt 2026 endlich geöffnet?
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