OÖ / STEYR. Das Land Oberösterreich hat am Mittwoch eine umfassende „Hausordnung“ vorgestellt, die zentrale Werte und Regeln für das Zusammenleben im Bundesland definieren soll. Hintergrund sind gesellschaftliche Veränderungen, steigende Zuwanderung und unterschiedliche Wertvorstellungen, die laut Landesregierung neue Herausforderungen im Alltag mit sich bringen.
Laut den vom Land präsentierten Zahlen bestehen erhebliche regionale Unterschiede: Während in Wels und Linz Stadt rund ein Drittel der Bevölkerung im Ausland geboren ist, liegt der Anteil in Steyr Stadt bei 26,6 Prozent. Damit gehört Steyr zu jenen urbanen Regionen Oberösterreichs, in denen gesellschaftliche Vielfalt bereits seit Jahren zum Alltag zählt.
Der Auftrag zur Erarbeitung der Hausordnung wurde im Frühjahr von Landeshauptmann Thomas Stelzer an Integrationslandesrat Christian Dörfel erteilt. In einem mehrmonatigen Prozess wurden gemeinsam mit dem Soziologen Kenan Güngör, Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Bildung, Integration und Volkskultur sowie mit Vertreterinnen und Vertretern der Bevölkerung insgesamt 13 Leitlinien entwickelt. Grundlage bildeten das Integrationsleitbild des Landes und der Nationale Aktionsplan Integration. Auch Ergebnisse einer IMAS-Umfrage zum Zusammenleben flossen in die Arbeit ein.
Leitfaden für gemeinsame Werte
Mit der neuen Hausordnung soll ein Orientierungsrahmen geschaffen werden, der für alle Menschen im Bundesland nachvollziehbar ist – für neu Zugewanderte ebenso wie für die bereits ansässige Bevölkerung. Laut Land sollen die Regeln zur besseren Verständigung beitragen, Konflikte entschärfen und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
Landeshauptmann Thomas Stelzer betont die Notwendigkeit klarer Regeln: „Oberösterreich ist das Land des Miteinanders und des Zusammenhalts. Wir helfen jenen, die Unterstützung brauchen, lassen niemanden allein – wir fördern, aber wir fordern auch. Denn damit das Zusammenleben gut funktioniert, braucht es auch klare Regeln, die festlegen, wo die Grenzen sind. Diese sind zu respektieren – das gilt für jede und jeden, auch für jene, die aus Ländern mit unterschiedlicher sozialer und kultureller Prägung zu uns kommen. Mit unserer Hausordnung bieten wir eine Leitlinie, an der sich alle orientieren können. Diese Grundregeln des Zusammenlebens sind die Basis für eine gemeinsame, erfolgreiche Zukunft.“
Auch Integrationslandesrat Christian Dörfel sieht in der Hausordnung ein Instrument für mehr Orientierung: „Unsere Gesellschaft ist bunter und vielfältiger geworden. Um ein gutes Zusammenleben auch in Zukunft sicherzustellen, brauchen wir eine Klammer, die sie zusammenhält. Diese Klammer soll die OÖ Hausordnung sein: Mit Werten, die verbinden sollen. Und mit Regeln, die nicht gebrochen, und Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. […] In Oberösterreich gelten unsere gemeinsamen Werte und Spielregeln für alle.“
Drei Gruppen, unterschiedliche Herausforderungen
Im Integrationsbereich unterscheidet die Landesregierung drei Personengruppen:
- Rund 70 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund hält man für gut integriert
- Etwa 20 Prozent sind neu zugewandert oder leben unter prekären Bedingungen und benötigen besondere Unterstützung
- Bei rund 10 Prozent sieht die Landesgergierung deutliche Integrationsdefizite, etwa durch Rückzug in abgeschottete Lebenswelten oder demokratiefeindliche Einstellungen.
Expertinnen und Experten weisen darauf hin, dass die Vielfalt der Herkunftsländer – aktuell leben Menschen aus 172 Nationen in Oberösterreich – langfristig sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt. Migration bleibe notwendig, etwa am Arbeitsmarkt, gleichzeitig brauche es aber klare Erwartungen an Integrationsbereitschaft.
Integrationsforscher Kenan Güngör beschreibt die Hausordnung als klar formulierten Rahmen: „Die Werteordnung für das Zusammenleben in Oberösterreich bietet einen klaren Orientierungsrahmen für Zugewanderte und auch Einheimische. Ihr dualer Ansatz verbindet Würdigung für die vielen gut integrierten Menschen mit Grenzziehung gegenüber jenen, die grundlegende Werte missachten. […] Sie umfasst drei Ebenen: verfassungsrechtliche Demokratie und Rechtsstaat, soziale Werte wie Fairness und Verantwortung sowie kulturelle Werte wie Sprache, Heimatbezug und Pluralitätsfähigkeit – ein realistischer und haltungsstarker Rahmen für ein gelingendes Miteinander in Oberösterreich.“
Umsetzung startet 2026
Die Hausordnung liegt in einer Kurz- und Langfassung vor und soll ab 2026 schrittweise in ganz Oberösterreich verankert werden – etwa in Gemeinden, Schulen, Vereinen und Integrationsprojekten. Dazu sind verpflichtende Module wie Werte- und Orientierungskurse geplant. Zudem bereitet das Land eine breite Informationskampagne vor, die im ersten Quartal 2026 starten soll.
Ziel sei es, so die Landesregierung, Orientierung zu geben, Verbindlichkeit zu schaffen und ein gemeinsames Verständnis dafür zu fördern, wie ein respektvolles Miteinander im Bundesland gelingen kann.
Unten: Die OÖ. HAUSORDNUNG (Kurzfassung). Bildquelle: Land OÖ