• BEZIRK: PFARRKIRCHEN, STEYR-LAND
Oben: Margit und Ernst Hiesmayr verstehen die Welt nicht mehr. Sie kämpfen für den Fortbestand ihrer Sika Hirsche, die gemäß einer EU-Verodrnung im Jahr 2027 getötet werden sollen. Foto © Gerhard Hütmeyer.

PFARRKIRCHEN / STEYR-LAND. Am Tassiloweg 2, gleich neben dem Bad Haller Kurpark, grasen 15 Sikahirsche friedlich in einem 1,8 Hektar großen Gehege. Noch. Geht es nach einer EU-Verordnung, müssen auch diese Tiere bis August 2027 getötet werden – obwohl sie in einem sicheren Gehege leben und keine Gefahr für heimisches Wild darstellen. Margit und Ernst Hiesmayr, die die Herde seit Jahren halten, stehen damit exemplarisch für ein Problem, das 250 landwirtschaftliche Betriebe und 3000 Tiere in Österreich betrifft ...

15 Tiere in Pfarrkirchen sollen getötet werden, 3000 in ganz Österreich
Neun große und sechs kleine Sikahirsche leben seit 2018 im Gehege der Hiesmayrs am Rand des Sulzbaches. Der Zaun ist hoch und sicher, Ausbrüche seien ausgeschlossen, versichern die Halter. Trotzdem sieht die EU-Verordnung vor, dass der Bestand vollständig aufgegeben werden muss.

„Es wurde einfach entschieden, die Übergangszeit ist viel zu kurz“, ärgern sich Margit und Ernst Hiesmayr. Die befürchtete Vermischung mit Rotwild halten sie für unrealistisch: Die Tiere seien im Gehege, könnten nicht ausbrechen, außerdem sei die Brunftzeit unterschiedlich.

Sikawild wurde um 1900 von Kaiser Franz Joseph aus Japan eingeführt. „Das Fleisch ist besser und teurer als jenes von Damwild, außerdem ist Sikawild nicht so krankheitsanfällig“, erklären Margit & Ernst Hiesmayr die Vorteile dieser Art.

EU-Verordnung ohne Fingerspitzengefühl
Seit 2023 ist Sikawild in der EU als „invasive gebietsfremde Art“ gelistet. Für alle Arten auf dieser Liste gilt: Sie dürfen nicht mehr neu gehalten, gezüchtet oder gehandelt werden, bestehende Bestände müssen nach einer Übergangsfrist auslaufen.

Was in Ländern mit größeren frei lebenden Sika-Populationen als Schutzmaßnahme für heimische Ökosysteme gedacht ist, führt in Österreich zu einer Sonder- und Härtefall-Situation: Hier leben praktisch alle rund 3000 Sika-Tiere in Gehegen auf etwa 250 landwirtschaftlichen Betrieben. Nur eine einzige frei lebende Population gibt es in den Donau-Auen, alle anderen Tiere sind hinter hohen, sicheren Zäunen untergebracht. Aus diesen Anlagen sind bislang keine Probleme für heimische Wildbestände dokumentiert.

Trotzdem verlangt die Verordnung, dass sämtliche Sikahirsche in Österreich bis August 2027 getötet werden – unabhängig davon, ob von ihnen tatsächlich eine ökologische Gefahr ausgeht. Aus Sicht vieler Betroffener wären damit tausende gesunde Tiere ohne Not von der Tötung betroffen.

Tötung der Tiere unnötig 
Fachleute und Interessenvertretungen kritisieren, dass eine pauschale Tötungspflicht für alle Gehegetiere weder ökologisch begründbar noch tierschutzrechtlich vertretbar sei. Wo Sika ausschließlich in gesicherten Gehegen gehalten werden und keine Gefahr für heimische Arten, Wälder oder Landwirtschaft darstellen, wäre eine geregelte Weiterführung der bestehenden Bestände – etwa mit strengem Vermehrungsverbot – möglich.

Die derzeitige „Null-Lösung“ würde hingegen bedeuten, dass tausende gesunde Tiere in den nächsten zwei Jahren systematisch abgeschossen werden. Für Halter, die über Jahre in Gehege, Tierbestand, Zucht und Direktvermarktung investiert haben, wirkt das wie ein unverhältnismäßiger Eingriff und als Bruch mit dem Grundsatz, Tötungen von Nutztieren auf das notwendige Maß zu beschränken.

Landwirtschaftskammer fordert Ausnahmeregelung für Gehegehaltung
In Oberösterreich gibt es 55 Sika-Wildbauern, die ihren Betriebszweig weiterführen möchten. Für manche ist die Verordnung existenzgefährdend, der wirtschaftliche Schaden wird allein in Oberösterreich auf rund 2,5 Millionen Euro geschätzt.

Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich fordert daher Ausnahmeregelungen für gesicherte Gehege und ein längeres Auslaufen bestehender Bestände, statt eines flächendeckenden Abschusses. Auch Margit und Ernst Hiesmayr hoffen auf eine solche Lösung – damit ihre 15 Sikahirsche, und tausende weitere Tiere in Österreich, nicht völlig unnötig getötet werden müssen.

Unter bit.ly/sikawild kann die derzeit laufende Petition unterstützt werden.

Unten: Diese wundreschönen, gesunden Tiere, sollen auf Basis einer EU-Verordnung nächstes Jahr getötet werden. Foto © Gerhard Hütmeyer.

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