• BEZIRK: KRONSTORF, LINZ-LAND
Oben: Rund 200 besorgte Brüger demonstrierten am 17. Juli erneut vor Googles Großbaustelle. Foto © privat.

KRONSTORF / LINZ-LAND. Bis zu 5,55 Milliarden Liter Wasser pro Jahr darf Google laut wasserrechtlichem Bescheid des Landes Oberösterreich aus Grundwasser und Uferfiltrat der Enns entnehmen. Zurückgeleitet werden dürfen maximal 2,1 Milliarden Liter – erwärmt auf bis zu 30 Grad und belastet mit Chemikalien aus dem Kühlkreislauf. Für Menschen, die sich im Alltag nicht mit derartigen Themen beschäftigen, sind diese Zahlen nur schwer einzuordnen. Wir ziehen Vergleiche, die bei der Einordnung helfen …

Eine Recherche von Phil Gartlehner und Peter Freyka. 

38-fache Menge des Verbrauchs der Bevölkerung von Kronstorf
Der Wert stammt aus dem wasserrechtlichen Bescheid und stellt eine Deckelung dar: Grundsätzlich darf Google 202,78 Liter pro Sekunde entnehmen, maximal jedoch 5,55 Milliarden Liter im Jahr. Ist das nun viel?

Für eine Gemeinde wie Kronstorf und angesichts der direkten wirtschaftlichen Relevanz, die durch das Rechenzentrum (Arbeitsplätze, Kommunalsteuer) zu erwarten ist, erscheint diese Entnahmemenge hoch. Frau und Herr Österreicher verbrauchen im Haushalt statistisch je rund 130 Liter Wasser am Tag. Das ergibt in Kronstorf bei 3.546 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2026) einen statistischen Haushaltsverbrauch von rund 461.000 Litern täglich. Googles Hyperscale-Rechenzentrum darf pro Tag maximal 17,52 Millionen Liter entnehmen – das entspricht dem 38-Fachen der Menge, die alle Kronstorferinnen und Kronstorfer gemeinsam im Haushalt pro Tag verbrauchen.

Vergleich zu Großindustrieanlagen
Im Vergleich mit anderen großen Industrieanlagen relativiert sich der Wert teilweise. Greenpeace nennt die voestalpine Stahl GmbH am Standort Linz mit rund 27 Millionen Kubikmetern (27 Milliarden Litern) Wasser pro Jahr als einen der größten Wasserverbraucher in Oberösterreich. Die voestalpine benötigt damit knapp das Fünffache dessen, was Google in Kronstorf laut Bescheid entnehmen dürfte.

Diesem Verbrauch stehen jedoch sehr unterschiedliche Beschäftigungszahlen gegenüber: Bei der voestalpine Stahl in Linz sind mehr als 7.000 Menschen beschäftigt, bei Google in Kronstorf ist derzeit von grob 100 Arbeitsplätzen die Rede.

Der Vergleich mit anderen Wasserverbrauchern in der Industrie dient zur besseren Einordnung für sie, geschätzte Leserinnen und Leser. Für die Gemeinde Kronstorf und die Menschen, die ihren täglichen Wasserbedarf aus dem lokalen Grundwasserkörper decken müssen, hat der Vergleich keine Relevanz. Sollte in zukünftigen Trockenphasen die Wasserversorgung über die Ortswasserleitung nicht in gewohntem Umfang und Qualität möglich sein, wäre es für die Menschen wenig hilfreich zu wissen, dass es andernorts noch größere Verbraucher gibt.

Wirtschaftliche Rechtfertigung: Wasserentnahme pro Mitarbeiter
Setzt man die zulässige Wasserentnahme in Relation zur Zahl der Arbeitsplätze, verschiebt sich das Bild deutlich: Google könnte in Kronstorf pro Mitarbeiter bis zu 55 Millionen Liter Wasser im Jahr nutzen, bei der voestalpine sind es – auf Basis der genannten Zahlen – rund 3,8 Millionen Liter im Jahr pro Mitarbeiter.

Diese Gegenüberstellung zeigt, wie viel Wasser in beiden Fällen für einen einzelnen Arbeitsplatz eingesetzt wird – und wirft die Frage auf, welche wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz dem hohen Verbrauch einer knapper werdenden Ressource gegenübersteht.

Woher kommt das Wasser?
Laut Bescheid stammen rund 91 Prozent der genehmigten Entnahmemenge aus sogenanntem Uferfiltrat der Enns – also Flusswasser, das durch den Untergrund sickert und über Brunnen wieder gefasst wird. Die restlichen neun Prozent gelten als Grundwasser. Damit wird formal vor allem „Ennswasser“ genutzt, faktisch aber ein Grundwasserkörper beansprucht, der auch für Hausbrunnen, Landwirtschaft und Ökologie wichtig ist.

Was bedeutet das für Hausbrunnen und Grundwasserspiegel?
Gutachten gehen bereits heute von sinkenden Grundwasserspiegeln im Umfeld der Entnahmebrunnen aus. Kritisch wird es dort, wo private oder landwirtschaftliche Brunnen nahe an dieser Absenkung liegen – vor allem in trockenen Sommern mit geringen Zuflüssen aus der Enns. Offen bleibt, welche Mindestwasserstände abgesichert sind, wer bei Schäden haftet und wie engmaschig die Wasserstände überwacht werden.

Rückleitung: Erwärmtes Wasser und Chemikalien
Maximal 2,1 Milliarden Liter dürfen laut Bescheid wieder in die Enns zurückgeleitet werden. Der Rest – 3,45 Milliarden Liter – verdunstet durch die Kühlung. Die Rückleitung erfolgt mit bis zu 30 Grad und mit Rückständen von Chemikalien aus dem Kühlkreislauf. Zwar gelten strenge Grenzwerte, dennoch stellen sich Fragen nach zusätzlicher Aufheizung des Flusses in Hitzeperioden, nach Restkonzentrationen der Stoffe und ihren Auswirkungen auf Fische und Gewässerökologie.

Wer kontrolliert – und wie transparent sind die Daten?
Entnahmemengen, Temperatur und Zusammensetzung des Rückleitungswassers müssen gemäß der Vorgaben im Wasserbescheid überwacht und dokumentiert werden. Unklar ist jedoch, wie häufig gemessen wird, wer die Daten unabhängig kontrolliert und ob Entnahme, Brunnenpegel und Qualitätsparameter für Gemeinden und Öffentlichkeit einsehbar sind. Ein transparentes Monitoring gilt vielen in der Region als Voraussetzung, um Vertrauen zu schaffen.

Schlüsselressource Wasser – offene Fragen bleiben
Das Google-Rechenzentrum in Kronstorf reiht sich beim Wasserverbrauch in die Liga großer Industrieanlagen ein – bei vergleichsweise wenigen Arbeitsplätzen vor Ort. Die Debatte in der Region dreht sich nicht nur um die Entnahmemenge, sondern auch um die Verteilung der knapper werdenden Ressource Wasser:

• Wer wird die Einhaltung von Entnahmemenge, Rückleitungstemperatur und Chemikalienbelastung überwachen?
• Wird die Überwachung transparent und öffentlich einsehbar sein?
• Wann genau muss Google die Wasserentnahme drosseln oder einstellen, z. B. in Trockenphasen?

Die Zahlen machen klar, dass der Wasserverbrauch in Kronstorf durch Google stark steigen wird. Wie ooe.orf.at in einem Beitrag vom 24. Juli berichtet, macht die anhaltende Trockenheit den Landwirten in Oberösterreich bereits jetzt schwer zu schaffen. „Vielerorts fehlen bereits jetzt wichtige Futterreserven“, heißt es in dem Beitrag.

Angesichts derartiger Entwicklungen sind die Sorgen der Bevölkerung von Kronstorf mehr als verständlich. Rund 200 Menschen demonstrierten am 17. Juli an der Google-Baustelle und forderten unter anderem absolute Transparenz, Zugang zu allen Daten sowie eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Projekt.

Nun ist die Politik gefordert – allen voran der Bürgermeister von Kronstorf – ihrer wichtigsten Aufgabe als Volksvertreter nachzukommen: sich der Sorgen der Menschen anzunehmen und zu ihrem Wohle zu handeln.

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