• BEZIRK: KRONSTORF, LINZ-LAND
Oben: In Kronstorf wurden bereits große, leistungsfähige Infrastrukturen für die Deckung des gewaltigen Stromhungers von Googles Hyperscaler errichtet. Die 220-kV-Leitung von Ernsthofen nach Linz wird laut Austrian Power Grid rechtzeitig fertig, um Googles Strombedarf zu decken. Die APG investiert Milliarden. Diese Kosten betreffen über die steigenden Netzgebühren alle Stromkunden, so die APG. Foto © E-STEYR.COM

Österreichs „Stromkuchen“ muss immer mehr hungrige Mäuler stopfen – und das am besten mit „grünem“ oder besser gesagt erneuerbarem Strom. Diesem Bild folgend könnte man sagen, dass in Kronstorf gerade ein „Großmaul“ entsteht, dessen Appetit an Österreichs „Strombuffet“ wohl für neidische Blicke sorgen wird …

EINE RECHERCHE VON PHIL GARTLEHNER UND PETER FREYKA. 

KRONSTORF / LINZ-LAND / ÖSTERREICH. In bisherigen Beiträgen zum Google-Rechenzentrum „Volo 2“ in Kronstorf standen vor allem Wasserverbrauch, Kühlung und mögliche Auswirkungen auf die Hausbrunnen im Fokus. Auch der wachsende Protest der Bürgerinitiative „Rechenzentrum Kronstorf“ und die Forderung nach mehr Transparenz wurden breit thematisiert. Nun rückt eine weitere Schlüsselressource in den Mittelpunkt: Strom.

Googles Hyperscaler in Kronstorf wird im Vollausbau zum derzeit größten Einzelverbraucher Österreichs. In Zeiten von Trockenheit, sinkenden Flusspegeln und schwächerer Wasserkraft stellen sich daher höchst unangenehme Fragen:

  • Woher soll dieser "grüne" Strom kommen, wenn keine neuen Kapazitäten geschaffen werden
  • Wer wird in Zukunft wie viel vom „Stromkuchen“ bekommen?
  • Wie wird sich die – bisher wenig transparent ablaufende – Errichtung von KI-Rechenzentren auf Netzgebühr und Strompreis auswirken?

Google Kronstorf wird größter Stromverbraucher in Österreich
Strom ist der Treibstoff der Digitalisierung – und Googles KI-Rechenzentrum in Kronstorf wird ein Großverbraucher. Vom Staubsauger und der Espressomaschine bis hin zu Voest und OMV braucht Österreich im Jahr rund 70 bis 75 Terawattstunden Strom. Mit bis zu 4,4 TWh pro Jahr im Endausbau, wäre das Rechenzentrum in Kronstorf der größte Einzelverbraucher des Landes. Googles „Großrechner“ würde damit den Strombedarf Österreichs um bis zu 6 Prozent erhöhen.

Wer bekommt wieviel vom grünen Stromkuchen?
Google will seine Rechenzentren weltweit rund um die Uhr mit erneuerbarer Energie betreiben. In Europa geschieht das meist über Herkunftsnachweise, langfristige Stromlieferverträge und Beteiligungen an Ökostromprojekten. Für Kronstorf heißt das jedoch nicht automatisch, dass dort tatsächlich nur „grüner“ Strom fließt. Physikalisch kommt im Rechenzentrum jener Strom an, der gerade im Netz verfügbar ist – also ein Mix aus Wasserkraft, Wind, Photovoltaik sowie auch fossilen und teils nuklearen Quellen aus dem europäischen Verbund.

Bilanzielle Grünstromzertifikate ändern aber nichts an einer fundamentalen Tatsache: Wenn wir als Gesellschaft mehr und mehr Strom aus erneuerbaren Quellen wollen, müssen wir diesen erneuerbaren Strom auch herstellen. 

Wer baut neue Kapazitäten für erneuerbaren Strom?
Genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Investiert Google in zusätzliche Anlagen für Wind-, PV- oder Wasserkraft in Österreich? Oder werden bestehende „grüne“ Mengen vertraglich gebunden, die dann andernorts – z.B. bei den Lichtbogenöfen der voest in Linz – fehlen? "Die Integration der beiden grünstrombetriebenen Elektrolichtbogenöfen in die Stahlproduktion ab dem ersten Halbjahr 2027 ermöglicht uns energieintensive Prozesse zu elektrifizieren und so bis 2029 rund 30 % an CO2-Emissionen einzusparen.", liest man auf der Website der voestalpine. Den zusätzlichen Strombedarf für die zwei Öfen gibt die voestalpine mit 2 TWh pro Jahr an (Quelle: https://reports.voestalpine.com/2022/cr-bericht//fokus/klimaschutz.

Diese Frage gewinnt vor allem vor dem Hintergrund trockener Sommer an Brisanz. Die Wasserkraft, bisher das Rückgrat der österreichischen Stromproduktion, liefert bei Niedrigwasser deutlich weniger Strom (Lesen Sie dazu: Trockenheit: Ennskraftwerke produzierten im Juli um die Hälte weniger Strom ) . Steigen gleichzeitig Strombedarf und Zahl der Großabnehmer, verschärft sich der Wettbewerb um jede Kilowattstunde aus Wind, Sonne und Wasserkraft.

Eine Kernfrage lautet daher: Leisten Konzerne wie Google einen fairen Beitrag zu den Infrastrukturkosten, oder zahlen Haushalte und kleinere Betriebe am Ende über höhere Netztarife die Zeche und finanzieren so die Gewinne eines US-Konzerns, der ohnehin nicht dafür bekannt ist, in Europa gerne Steuern zu bezahlen. 

Die Politik ist am Zug
Mit Googles KI-Rechenzentrum entsteht in Kronstorf ein Stromverbraucher von nationaler Dimension. Ob das Projekt die Energiewende unterstützt oder den Wettbewerb um knappe „grüne“ Ressourcen verschärft, hängt nicht nur von Google ab, sondern vor allem von den politischen Rahmenbedingungen.

Was zu Googles Stromverbrauch in Kronstorf auf der Website des Landes Oberösterreich zu lesen ist, wird das Problem wohl kaum entschärfen. Dort meint man lapidar: “Datenzentren benötigen tatsächlich viel Energie. Gleichzeitig gehören moderne Anlagen zu den energieeffizientesten ihrer Art. Google verweist darauf, dass die Energieeffizienz seiner Datenzentren kontinuierlich verbessert wird und der Standort langfristig CO₂-frei betrieben werden soll. Die E-Control sieht ebenso wie die APG (Austria Power Grid) auch im Endausbau kein Problem für die Stromversorgung in Österreich.” (Quelle: https://www.land-oberoesterreich.gv.at/datencenter-kronstorf.htm)

Entscheidend ist, wie streng Transparenz- und Investitionspflichten geregelt werden, wie die Netzausbaukosten verteilt werden und welche Rolle Rechenzentren in Österreichs Energiepolitik spielen sollen.

Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, wächst die Sorge, dass die Region die Lasten trägt, der Nutzen aber anderswo anfällt. In Kronstorf zeigt sich: Bei Rechenzentren dieser Größenordnung geht es in Zeiten der Energiewende vor allem um eines: die Verteilung fundamental wichtiger Ressourcen wie Wasser, Boden und Energie. Diese Verteilung im Sinne der Bevölkerung zu regeln, ist die Kernaufgabe der Politik.

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