STEYR„Die duale Ausbildung ist weiterhin unangefochten die beliebteste Ausbildungsform bei der Jugend und hat die Position im letzten Jahr sogar noch ausbauen können“, erklärt WKO-Bezirksstellenobmann Eduard Riegler. Konkret sind 2018 in Steyr 333 Personen ...

in das erste Lehrjahr gestartet. Das bedeutet eine Zunahme von 4,4 Prozent im ersten Lehrjahr gegenüber dem

Jahr davor und einen Anteil von 4,5 Prozent an Oberösterreich. In Steyr-Land waren es 181 Lehr-
linge, die im letzten Jahr eine Lehre begonnen haben. Oberösterreichweit konnte der Marktan-
teil der Lehre bei den Lehranfängern auf über 48 Prozent bei den Jugendlichen der 10. Schulstu-
fe gesteigert werden. Damit hat sich fast jeder 2. Jugendliche für die Lehre entschieden.

OÖ AK Präsident Johann Kalliauer sprach in einer Pressekonferenz in Steyr von einem „hausge-
machten Fachkräftemangel“, der sich aus einer „äußerst bedenklichen Entwicklung bei den
Lehrlingen und Lehrbetrieben ableite“. „Diese ‚Feststellungen‘ bzw. ‚Gründe für den Fachkräf-
temangel‘ sind definitiv falsch“, so Riegler:

Der Arbeitskräfte- und damit auch der Lehrlingsmangel sind in erster Linie demografiebe-
dingt. Auf den Punkt gebracht: Der Geburtenrückgang führt logischerweise zu einem gerin-
geren Angebot an potenziellen Lehrlingen. Wir haben derzeit kaum ein Unternehmen, das
nicht händeringend nach Fachkräften sucht. Dies bestätigen auch die aktuellen Zahlen des
Arbeitsmarktservice, wonach Ende Oktober 2019 im Arbeitsmarktbezirk Steyr 30 lehrstel-
lensuchende Jugendliche 97 offene Lehrstellen gegenüber standen.

Aufgrund der demografischen Entwicklung droht eine weitere dramatische Verschärfung
dieses Themas in den nächsten Jahren. Laut Fachkräftemonitor vom Land OÖ fehlen
oberösterreichweit im Jahr 2030 127.000 Fachkräfte. Für den Wirtschaftsraum Steyr-
Kirchdorf beträgt diese Zahl 12.600.

Oberösterreich war und ist das Lehrlingsbundesland Nr. 1: Nirgendwo sonst in Österreich
gibt es so viele Ausbildungsbetriebe wie in OÖ – 5.401 Unternehmen bildeten 2018 23.160
Lehrlinge aus. In Steyr-Stadt wurden im Vorjahr 973 Lehrlinge und in Steyr-Land 625 Lehr-
linge ausgebildet. Erfreulich dabei ist, dass im Bezirk Steyr-Land bereits 2017 eine
Trendumkehr stattgefunden hat und im Vergleich zu anderen oö. Bezirken wieder ein An-
stieg bei den Lehrverhältnissen von 620 auf 625 zu verzeichnen ist. Die aktuellen Lehrlings-
zahlen vom 31. Oktober 2019 bestätigen diesen Trend und zeigen sogar einen nochmaligen
Anstieg auf 635 Lehrlinge in Steyr-Land.


Gerade die oberösterreichischen Betriebe investieren - nicht zuletzt aufgrund des akuten
Fachkräftemangels - viel Zeit und Geld in die Rekrutierung bzw. Ausbildung von jungen
Menschen. Trotz attraktiver Angebote wird es vor allem in einigen Branchen immer schwie-
riger, den notwendigen Nachwuchs zu finden. Das Problem ist also nicht die Ausbildungsbe-
reitschaft (oder die Bezahlung), sondern das geringere Angebot. Dazu kommt erschwerend,
dass bei den potenziellen Kandidaten immer öfter auch die Basics fehlen: Deshalb müssen
die Betriebe Defizite beim Lesen, Schreiben, Rechnen bzw. bei den Deutschkenntnissen
ausgleichen.


Die duale Ausbildung, um die uns ganz Europa beneidet, ist ein allgemein anerkannter
Benchmark. Unternehmen investieren gerade in Oberösterreich und in der Region Steyr viel
Zeit und Geld in die Ausbildung des Nachwuchses. Wer den Betrieben hier einen „falschen
Spargedanken“ unterstellt, hat wenig Ahnung von der betrieblichen Wirklichkeit. Ganz im
Gegenteil investieren unsere Betriebe so viel wie noch nie in die Aus- und Weiterbildung
ihrer Mitarbeiter, um sich die Fachkräfte für morgen nachhaltig zu sichern.

Lebensraum Ennstal setzt selbst Aktivitäten, um Fachkräfte-Engpass entgegen zu wirken
Unter dem Motto „Da will ich sein!“ setzt sich die Initiative „Lebensraum Ennstal“ bereits seit
sechs Jahren für ein beständiges Leben sowie eine gesicherte Zukunft im oö. Ennstal ein. 2013
aus dem Projekt „Kompass Demografie“ entstanden, welches die WKO Oberösterreich und das

Regionalmanagement OÖ initiiert haben, ist das Projekt heute ein Musterprojekt für Bewusst-
seinsbildung in einer starken Wirtschaftsregion. „Auslöser für das Projekt war die demografische
Entwicklung in den Gemeinden des oberösterreichischen Ennstals, die nach wie vor von rückläu-
figen Bevölkerungszahlen geprägt ist. Tendenziell verlassen leider vor allem junge Bürger den
ländlichen Raum und das Erwerbspotenzial sinkt kontinuierlich. Unser klares Ziel war daher, mit
gezielten Maßnahmen den weitreichenden Folgen der demografischen Entwicklung entgegen zu
wirken“, erinnert sich Judith Ringer, Obfrau der WKO Steyr-Land.

Waren es 2013 noch 50 Lehrbetriebe, beschäftigen heute alleine im Lebensraum Ennstal 68
Ausbildungsbetriebe 175 Lehrlinge. Die 68 Ausbildungsbetriebe im Ennstal unterstützen ihre
Lehrlinge in weiterer Folge intensiv. Da in vielen Berufen die Anforderungen im fachlichen, aber
auch im sozialen Bereich steigen, investieren die Ausbildungsbetriebe vermehrt auch in überbe-
triebliche Aus- und Weiterbildung für deren Lehrlinge und auch Ausbilder. Jugendliche, die nach
der 9. Schulstufe ihre Karriere mit einer Lehre starten wollen, können alleine im oö. Ennstal aus
über 40 verschiedenen Lehrberufen wählen.

„Diese positive Entwicklung kann sicherlich auch auf die erfolgreich durchgeführten Maßnahmen
der Initiative Lebensraum Ennstal zurückgeführt werden“, so Ringer weiter. „Das oö. Ennstal hat
mit zahlreichen Lehrlings- und Fachkräfteinitiativen wie die Berufserlebnistage oder die Wan-
derausstellung #werktags sowie regionale Aus- und Weiterbildungsangebote wie die Lehr-
lingsakademie bereits jetzt eine Vorreiterrolle in Oberösterreich. Alle Ausbildungsbetriebe der
Region bündeln ihre Kräfte in diese Richtung.“