Fotos © Preisinger

Beim vierten Gründer- und Jungunternehmer:innenfrühstück des Netzwerks Zukunftsregion Steyr gab es viele spannende Berichte aus der Praxis für die Praxis, erfrischend ehrlich, sodass sich die Teilnehmer:innen – allen voran die zukünftigen Unternehmer:innen - viel mitnehmen konnten. Ergänzt wurden die Gründerstories durch hilfreiche Tipps des WKO-Gründungsberaters und der Möglichkeit zum Austausch. Viele Interessierte nutzten den Vorteil, von Beginn an in ein Netzwerk eingebunden zu sein und Kontakte in der Region zu haben. Mit im Publikum dieses Mal auch Bürgermeister Markus Vogl und Stadträtin Judith Ringer, Obfrau der WKO Steyr Land.

STEYR. „Wir freuen uns über den breiten Anklang und dass wir wieder so viele motivierte Menschen kennengelernt haben, die in unserer Region tätig sind und mit ihrer Kreativität zum Wirtschaftswachstum beitragen, danke für Euren Mut und Eure Ideen und Vernetzung! Danke auch der WKO Steyr für die gute Kooperation und die Möglichkeit, ihre Räumlichkeiten für einen gemeinsamen Gründervormittag nutzen zu können. So konnten Theorieinputs und Praxisberichte eine gute Synergie ergeben. Die Unternehmer:innen aus dem Netzwerk geben ihre Erfahrungen weiter, die WKO kann durch viel Wissenswertes unterstützen, gemeinsam bieten wir eine gute Plattform“, erzählt Netzwerkchefin Daniela Zeiner.

Wie relevant es ist, Anschluss zu haben und Menschen, die einen von Beginn an fördern und unterstützen, bestätigten die drei Referent:innen in ihren Impulsvorträgen. Außerdem waren sich alle einig, dass es eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Unternehmertum ist, immer an sich selbst und die eigenen Ideen zu glauben.

Die Impulsreferate eröffnete Nicole Spitzl (Frau Franzi), die erzählte, wie sie zum 40sten Geburtstag wusste, dass es Zeit ist, sich beruflich zu verändern und wie sie trotz Coronazeit und obwohl vieles dagegensprach, bei ihrem Traum vom eigenen Café geblieben ist. Begonnen hat sie damit, am Wochenmarkt Kaffee von der eigenen Röstung zu verkaufen, am 3. Juni 2023 hat Spitzl schließlich das „Frau Franzi“ in der Innenstadt eröffnet. Dabei wurde jedes Einrichtungsstück liebevoll ausgesucht, denn ihr Caféhaus und ihre Produkte sollten sie selbst widerspiegeln. „Man soll nichts verkaufen, hinter dem man nicht steht, sich nicht überzeugen lassen“ sagt Spitzl stolz. Aber sie ist sich auch bewusst, wie viel Arbeit es erfordert und erwähnt auch die schwierigen Themen wie den Aufbau von Stammpersonal. „Das Wichtigste ist, Ruhe und Struktur reinzubringen, Menschen zu finden, denen man vertraut und die Einsatz bringen“, so die Cafehausbesitzerin.

Im zweiten Impulsreferat erzählt Franz Kühberger, wie relevant es ist, an das eigene Geschäft zu glauben und dranzubleiben. „Es braucht das Vertrauen in sich und das eigene Unternehmen“ sagt er. 1991 hat Kühberger binnen vier Tagen den Entschluss gefasst, sich selbständig zu machen, nachdem das Unternehmen in Konkurs gegangen ist, bei dem er angestellt war. Er wollte es besser machen, hatte viele Ideen und den Wunsch zu gestalten. Begonnen hat Kühberger in einem Kellerbüro in Pyrach, wo er auch den ersten großen Kunden – Porsche Austria – gewinnen konnte. Seit 1994 ist Richard Haas mit im Boot – zuerst als Mitarbeiter, zwei Jahre später als Partner. Kühberger schildert diese Partnerschaft als größten Gewinn seines Unternehmertums „es braucht verlässliche Partner, die einen begleiten“. Mittlerweise sind 10 Mitarbeiter:innen bei Kühberger & Haas beschäftigt und die Nachfolge durch die Tochter von Kühberger und den Sohn von Haas ist in Planung. Auch im Fall seines zweiten Unternehmens Architex konnte Kühberger seine Idee verwirklichen und ist mittlerweile mit seinen Partnern und dem Verkauf der mobilen, modularen Flugzeughangar international unterwegs. Bis dahin war es aber ein weiter Weg, bei der Suche nach potentiellen Abnehmer:innen und Investor:innen sind Kühberger auf zahlreichen Messen viele negative Rückmeldungen untergekommen, Menschen die nicht an die Idee geglaubt haben, der eigene Traum wurde oft abgelehnt. Trotzdem ist er drangeblieben, diese Hartnäckigkeit empfiehlt Kühberger auch jedem Gründer, jeder Gründerin. Arcitex ist eines von nur 2 Unternehmen weltweit, die dieses Nischenprodukt, das jedoch einen wichtigen Bedarf füllt, herstellen und vertreiben. Mittlerweile freut sich das Unternehmen auch über Bestellungen aus Österreich.

Im dritten Impuls erzählt Finanzcoach Christine Aschauer, wie sie die Karenzzeit erfolgreich nutzen konnte, um einen neuen Weg einzuschlagen und sich beruflich zu verändern. Die erste Gründungserfahrung hat Aschauer bereits 2009 gemacht, als sie mit fünf Kollegen ein Unternehmen in der Getriebeentwicklung gründete, 2018 wagte sie zum zweiten Mal den Weg in die Selbstständigkeit, dieses Mal als EPU. Folgende Tipps gibt Aschauer allen Unternehmer:innen mit: „Festigt das eigene Netzwerk von Beginn an – denn es braucht Partner, denen man vertrauen kann und mit denen man gerne zusammenarbeiten möchte. Außerdem: Bleibt dran, bei allen Hochs und Tiefs und schaut immer auf die eigenen Finanzen!“ Dabei ist es wichtig, sich selbst treu zu bleiben, den eigenen Weg zu gehen. „Man muss nicht immer annehmen, was branchenüblich ist“, erzählt die Beraterin.

Experte Alexander Stockinger berät seit 15 Jahren Gründer:innen in der WKOÖ. Er berichtet im Abschlussimpulsreferat von mehr als 6000 Neugründungen in Oberösterreich im letzten Jahr, davon sind 149 in Steyr-Stadt und 210 in Steyr-Land zu verzeichnen. Die Erfahrungswerte zeigen, dass die Mehrheit der Betriebe es schaffen und auch nach Jahren noch existieren, nach 3 Jahren sind noch rund 77 Prozent der Unternehmer:innen selbständig, nach 7 Jahren rund 57 Prozent. Vor allem bei vielen Startups sieht Stockinger eine Veränderung der eigenen Idee – Jungunternehmer:innen mit einem offenen Ohr für das Feedback vom Markt entwickeln ihre Idee immer weiter, bis sie letztlich den gewünschten Erfolg bringt.

Als Tipp gibt er mit: „Investieren in sich selbst und in das eigene Wissen, um eine Basis zu haben, damit man mit externen Berater:innen auf Augenhöhe kommunizieren kann.“ Der Gründerexperte verweist außerdem auf das Netzwerk hubert, einem Zusammenschluss von 10 Institutionen, die nicht gewinnorientiert sind und Gründer – und Jungunternehmer:innen weiterhelfen. Weiters empfiehlt Stockinger die Wissensplattform „wise up“, die aus 20000 Wissensvideos aus verschiedenen Bereichen besteht und für 10 Euro pro Monat verfügbar ist.

Auch Bürgermeister Markus Vogl war zu Besuch und ist begeistert vom Unternehmertum in der Region, den vielen kreativen Ideen und dem Mut der Unternehmer:innen „Jede Gründerin, jeder Gründer, der seine Geschäftsidee in unserer Stadt umsetzt, bereichert und belebt damit die gesamte Region.“, sagt er. Als Steuerungsboardmitglied unterstützt er die Aktivitäten des Netzwerk Zukunftsregion Steyr und bringt sich gerne ein.

Stadträtin Judith Ringer ermutigt alle Gründer:innen noch zum Schluss: „Traut Euch, Euch selbstständig zu machen, die Berater:innen in der WKO sind für Euch und alle Eure Fragen da und als Frauen wendet Euch gerne an Frau in der Wirtschaft.“

Netzwerke gibt es gute in der Region, um Anschluss zu finden, zusammenzuarbeiten und füreinander da zu sein. Oftmals werden auch Synergien genutzt, gemeinsam Veranstaltungen initiiert wie dieses Gründerfrühstück des Netzwerk Zukunftsregion Steyr und der WKO Steyr. Wer interessiert ist, beim Netzwerk Zukunftsregion Steyr mitzuarbeiten, findet nähere Infos unter www.zukunftsregion-steyr.at.

 

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